Bensen

Algersdorf

Groß-Wöhlen

Karlsthal

Nieder-Ebersdorf

Alt-Schokau

Güntersdorf

Klein-Bocken

Ober-Ebersdorf

Bensen

Habendorf

Klein-Schokau

Parlosa

Franzenthal-Ulgersdorf

Hermersdorf

Klein-Wöhlen

Voitsdorf

Groß-Bocken

Hoch-Dobern

Mertendorf

 

 

Algersdorf

Die Gemeinde Algersdorf, 6 km südöstlich von Bensen gelegen, bestand aus den Ortschaften Algersdorf und Schneppendorf. Das Gemeindegebiet ist durchwegs bergig und wurde zu zwei Dritteln landwirtschaftlich genutzt. Die überwiegend lehmhaltigen Böden sind mager-gut bis sehr gut. Der Obstbau war recht bedeutend. Algersdorf wird von dem oberhalb der Ortschaft entspringenden Dorfbach oder Algersdorfer Bach durchflossen, der nach 5 km in den Polzenfluss mündet.

Algersdorf und Schneppendorf hatten bis 1945 ihren landwirtschaftlichen Charakter bewahrt, da nur wenige gewerbliche Betriebe ansässig waren. Aus den ursprünglich 50 größeren und kleineren Bauerngütern hatten sich 72 landwirtschaftliche Betriebe entwickelt. Größter Betrieb in Algersdorf war die Allgemeine Industrie AG Schütz mit einer Streichgarnspinnerei und einem Sägewerk. Dazu kamen ein Elektrizitätswerk, eine Dachpappenfabrik und eine Zementziegelfabrikation, eine Getreidemahlmühle und eine Öhlmühle sowie drei Trachytsteinbrüche. Außerdem gab es mehrere Genossenschaften. Seit Ende des 19. Jh. war Algersdorf Sitz eines Distriktsarztes mit Hausapotheke. 1939 lebten in beiden Orten 1.765 Einwohner in 534 Haushaltungen. 84,2 % der Bevölkerung war katholisch.

Die Pfarrei Algersdorf wird erstmals 1352 als „Perchtoldi villa” in den Papstzehentregistern erwähnt. Von 1568 bis 1624 war die Pfarrei lutherisch. Nach der Rekatholisierung wurden die Nachbarpfarreien Konoged, Mertendorf (als Filiale) und Munker (als Kommandantur) eineinhalb Jahrhunderte lang von Algersdorf mitverwaltet. 1786, nach der neuerlichen Verselbständigung, verblieb nur das in der Zwischenzeit gegründete Schneppendorf beim Algersdorfer Pfarrsprengel. Im 19. Jahrhundert kam die Pfarrei zum Vikariat Auscha. Die Matriken von Algersdorf sind seit 1645 erhalten. Die Pfarrkirche St. Barbara wurde 1724 bis 1729 in barockem Stil erbaut. Eine Kapelle wurde 1792 beim Kirchenaufgang und die Totenkapelle am alten Friedhof 1862 errichtet. Das Kirchenfest von Algersdorf wurde 1823 vom ursprünglichen Termin, dem Barbaratag am 4. Dezember, auf den dritten Sonntag nach Pfingsten verlegt. Der Gelöbnistag am 3. Juli wurde nach einem großen Unwetter 1835 eingeführt. Die Pfarrkirche St. Barbara wurde 1975 abgerissen und der Kirchhof eingeebnet. Einige Statuen wurden in die St. Anna Kirche nach Wernsdorf verbracht.  

Algersdorf wurde als Waldhufenanlage nach deutschem Recht im 13. Jahrhundert gegründet und besaß in früher Zeit ein Erbgericht. Nach der Steuerrolle von 1654 hatte „Welkarzicze” 42 Bauern, acht Gärtner und 42 Häusler - insgesamt somit 92 Häuser. Die Namen der Bauern und Gärtner lauteten Heller, Krombholz, Möser, Storch, Glanz, Heide, Schneider, Röllig, Rösler, Dobiasch, Fischer, Hille, Knorre, König, Patzner, Ringelhan, Seemann, Seidel, Trödel und Werner. Die 1584 bzw. 1587 genannten Namen Zimmer und Richter kamen nicht mehr vor. Im Jahre 1700 wurde, vermutlich anstelle einer aus dem 17. Jahrhundert stammenden Veste, durch die Grafen Sporck ein barockes Jagdschloss erbaut, das 1808 in eine Spinnerei umgewandelt wurde. 1713 bestand Algersdorf aus 50 Wirten und 109 Häuslern, zusammen also aus 159 Häusern. 1787 gab es 243 Hausnummern und 1833 hatten Ober- und Niederalgersdorf zusammen 253 Häuser mit 1.304 Einwohnern. Nach den Volkszählungen von 1869 und 1890 lebten 1.572 bzw. 1.621 Menschen im Ort. 1930 wurde mit 1.687 Personen der Höchststand erreicht. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Möser, Heller, Storch, König, Krombholz, Böhm, Werner, Richter, Wagner, Franz, Röllig, Heide, Klein, Hanke, Hortig, Krolop, Neumann, Rösler, Strobach, Fiedler, Hegenbart, Kreibich, Nitsche, Ritschel und Weigel.

In Niederalgersdorf wurde 1870 der Schriftsteller Karl May wegen Landstreicherei verhaftet.

Schneppendorf
Schneppendorf wurde 1763 auf Blankersdorfer und Algerdorfer Bauerngründen angelegt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die hochgelegenen, feuchten Gründe am Oberlauf des Triebschbaches von der Herrschaft Konoged als Jagdgebiet genutzt. 1772 gab es in Schneppendorf 16 Ansiedler mit den Namen Heller, Storch, Rieß, Eiselt, Kaulfuß, Klum, Krombholz, Ritschel und Röllig. In Schneppendorf wurde früher ein bedeutender Vogelherd oder „Schnappherd” zum Einfangen von Vögeln unterhalten, wovon der Ortsname abgeleitet wurde. Ursprünglich sollte der Ort „Walddörfl” heißen, woran später noch die Waldmühle erinnerte. 1787 war der Ort auf 26 Häuser angewachsen und 1833 standen 34 Wohngebäude, in denen 175 Menschen lebten. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 lebten 213 bzw. 193 deutsche Einwohner im Ort. Der Bevölkerungshöchststand wurde 1930 mit 222 Personen erreicht. Die häufigsten Familiennamen in Schneppendorf waren 1934 Röllig, Gaube, Richter und Weigel.

1961 hatte die tschechische Gemeinde Valkerice (= Algersdorf) 595 Bewohner, davon lebten 550 in Valkerice und 45 in Sluková (= Schneppendorf). Am 28.08.2006 lebten in Valkerice und Sluková 391 Einwohner.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Alt-Schokau

Die Gemeinde Alt-Schokau im ehemaligen Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der am rechten Polzenufer liegenden Ortschaft Alt-Schokau und den Ortsteilen Tampel, Lochhäuser und Krötendörfel. Das 205 ha große Gemeindegebiet ist durchwegs hügelig und bergig. Alt-Schokau war bis 1945 ein Bauerndorf geblieben und noch 1939 lebten rund 40 % der Einwohner von der Land- und Forstwirtschaft. Recht bedeutend war der Obstbau. 35 % der Einwohner übten industrielle und Handwerksberufe aus und arbeiteten meist in Sandau und Franzenthal. 12 % der Einwohner hatten ihr Einkommen im Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr.

Alt-Schokau, das ursprünglich nur Schokau genannt wurde, gehörte seit jeher zur Pfarrei St. Bartholomäus der Stadt Sandau und war mit dieser von 1542 bis 1624 lutherisch. Sandau war nach der Rekatholisierung bis 1775 der Pfarrei Mariä Heimsuchung in Ober-Politz unterstellt. Vorübergehend, etwa 1723 bis 1732, war Alt-Schokau der damals neu errichteten Pfarrei St. Wenzel in Klein-Bocken zugewiesen worden. Die Matriken sind, wie alle Kirchenbücher Sandaus, seit 1763 erhalten. Das Kirchenfest fand am vorletzten Augustsonntag zusammen mit der Pfarrei Sandau statt. Wie in Sandau, so wurden auch in Alt-Schokau am 20. Januar der Gelöbnistag und am 13. Juni in der Pfarrei St. Bartholomäus das Antoni-Fest begangen. Seit dem 17. Jahrhundert bestand ein Ortsgericht im Dorf. 1849 wurde Alt-Schokau zunächst der politischen Gemeinde Groß-Bocken angegliedert, aber 1877 zur selbständigen Gemeinde erhoben.

Alt-Schokau dürfte als deutsches Dorf im 13. Jahrhundert angelegt worden sein, wobei möglicherweise eine ältere Kleinsiedlung mit einbezogen wurde. Der Ort umfasste damals 16 Bauerhöfe - acht am linken und acht am rechten Polzenufer gelegen. Hinsichtlich des Ortsnamens spricht viel dafür, dass ein vordeutscher Name übernommen wurde, der von einem Personennamen Schoke oder ähnlich abgeleitet wurde. Erstmals genannt wurde der Ort 1328. In lateinischen Urkunden von 1387 und 1460 kommt Alt-Schokau mit der Schreibweise „Stockaw” vor. Aus dem 16. Jahrhundert sind laut dem Mertendorfer Schöppenbuch die Familiennamen Böse, Grumbach und Ritschel erhalten. 1654 hatte „Cziakow” laut Steuerrolle 20 Häuser, in denen acht Bauern, sechs Gärtner und sechs Häusler wohnten. Die Familien hießen Wagner, Böhm, Böse, Herbe (Heide?), Pompe, Ritschel, Vieber, Benisch, Hackel, Hauptmann, Patzner, Prasche und Rößel lebten. 1713 wurden 17 Wirte und vier Häusler, also zusammen 21 Häuser registriert. Die Namen der Bauern lauteten damals Wagner, Bittner, Heide, Hille, Krolop, Ritschel und Tschakert. 1787 hatte „Schogau” 33 Hausnummern und 1833 lebten 231 Einwohner in 37 Häusern. Dazu kamen noch die drei „Lochhäuser”, welche Polzen-abwärts lagen. Die Ortsbezeichnung Alt-Schokau tritt erstmals 1869 zur Unterscheidung von dem 1833 am linken Polzenufer neu gegründeten Ort Klein-Schokau auf. Nach den Volkszählungen von 1869, 1890 und 1900 hatte Alt-Schokau einschließlich der Lochhäuser 220 bzw. 190 bzw. 169 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen in Alt-Schokau waren 1934 Matzke, Böhm, Wagner, Heller, Pompe und Storch.

Die tschechische Gemeinde Starý Šachov (Alt-Schokau) bildet heute mit dem Ort Malý Šachov (= Klein-Schokau) die politische Gemeinde Starý Šachov. 1961 lebten 382 Einwohner dort. Das Gemeindegebiet umfasst heute 342 ha. Am 28.08.2006 wurden nur noch 198 Einwohner registriert. Der Ortsteil Lochhäuser trägt nun die tschechische Bezeichnung „Brlohy”.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Bensen

Bensen: Marktplatz   Bensen: Kirche
[ Bilder ansehen ]

Die Stadt Bensen bestand aus mehreren Stadtteilen sowie den Ortsteilen Friedrichsthal, Neuland und Reifen. Sie ist in der Nähe der Einmündung des Absbaches in den Polzen an der Südlehne des Doberberges (244 m) angelegt. Das 532 ha große Gemeindegebiet wurde zu 50 % landwirtschaftlich und zu 40 % als Wald genutzt. Rund 55 % der Bevölkerung lebten bis 1945 von Industrie und Handwerk, worunter besonders die Textilindustrie stark vertreten war. 17 % der Erwerbsbevölkerung war im Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr tätig und von der Landwirtschaft lebten nur gut 2 %.

Kirchliche Verhältnisse
Die Pfarrei Bensen, die eine der ältesten im Kreisgebiet von Tetschen ist, dürfte gleichzeitig mit der Stadtgründung in der Mitte des 13. Jahrhunderts eingerichtet worden sein. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bereits in der vor 1250 bestandenen Wegeburg ein kleines Kirchlein vorhanden war. Darauf deutet zumindest das Patrozinium Mariä Geburt hin, welches landesherrliche Burgkirchen um das Jahr 1000 vorzugsweise hatten. Von 1523 bis 1627 war die Pfarrei lutherisch. Der Pfarrsprengel umfasste ursprünglich außer der Stadt auch die Dörfer Habendorf, Hermersdorf, Nieder- und Ober-Ebersdorf, Ulgersdorf und Voitsdorf. Seit dem 16. Jahrhundert kamen die nach und nach gegründeten Dörfer Franzenthal, Josefswille, Kranachsdorf, Neuland, Reifen, Theresienthal und zwei Häuser der Gemeinde Klein-Wöhlen sowie von 1486 bis 1786 die Ortschaft Hoch-Dobern (das in dieser Zeit von Güntersdorf abgetrennt wurde) und von 1628 bis 1674 die Ortschaft Höflitz als Kommendatur dazu. Andererseits war Ulgersdorf von etwa 1580 bis 1783 zur Pfarrei Sandau eingegliedert. Im Jahre 1858 wurde Ober-Ebersdorf als selbständige Kirchengemeinde abgetrennt, nachdem es bereits seit 1787 den Status einer Expositur bekommen hatte. Die Matriken für den Pfarrsprengel Bensen sind durchwegs seit 1581 erhalten.

Stadtgeschichte
Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden an der alten Wegverbindung von der Burg Tetschen über Bensen und Kamnitz in die Lausitz einige Wegwarten. Bensen kann als eine der ersten dieser Wegsicherungen angesehen werden. Im Schutz der Wegeburg war sicher auch bald eine kleine Ansiedlung entstanden. Um 1256 oder etwas früher wurde an dieser Stelle die Stadt Bensen nach deutschem Recht eingerichtet. Der Name stammt vermutlich vom Gründer Benesch von Wartenberg (+ 1306), dem Sohn des Tetschner Burggrafen Markward II. oder von einem der beiden Stammväter des Geschlechtes der Familie von Michelsberg, die ebenfalls den Namen Benesch trugen. In der ältesten, auf die Burg Scharfenstein Bezug nehmende Urkunde von 1283 heißt es „castrum Scharfenstein et civitas” (Burg Scharfenstein und Stadt). Das Gebiet um Bensen gehörte im 11. und 12. Jahrhundert zur landesherrlichen Gaugrafschaft in Tetschen. Bald nach der Gründung der Stadt Bensen kam das Gebiet 1283 unter König Wenzel II. in den Besitz der Familie von Michelsberg unter der Bezeichnung „Herrschaft Scharfenstein” (benannt nach der etwa 1220/30 erbauten Burg oberhalb des Polzen bei Franzenthal). Die Stadtverwaltung und niedere Gerichtsbarkeit lag ursprünglich in den Händen eines Erbrichters, der von Schöppen unterstützt wurde. Zwischen 1405 und 1408 ging diese Herrschaft samt Bensen an die Familie Berka von Dauba über und kam 1426 an die Familie von Wartenberg auf Tetschen. Im gleichen Jahr 1426 wurde Bensen von den Hussiten verwüstet. 1511 ging die Stadt mit der Herrschaft Scharfenstein an Niklolaus Trcka von Lipa und 1515 von diesem an die aus Sachsen stammende evangelische Familie von Salhausen über. Bei der Güterteilung der Salhausen 1562 kam es auch zur herrschaftlichen Teilung der Stadt Bensen, die fast drei Jahrhunderte bestehen blieb. Der eine Teil gehörte zur Herrschaft Binsdorf, welcher seit 1634 der Familie Aldringen (später Clary-Aldringen) gehörte (welcher aber nochmals unterteilt war). Die andere Hälfte der Stadt war Bestandteil der Herrschaft Bensen, die seit 1631 im Eigentum der Familie von Thun-Hohenstein stand. Erst 1850 mit Gründung der politischen Gemeinden wurde Bensen wieder eine Einheit.

Stadtwappen
Das Stadtwappen ähnelt dem Wappen der Familie von Wartenberg. Es ist ein in der Mitte geteilter Schild, links schwarz und rechts silbern (jeweils vom Wappen aus gesehen), beiderseits mit Arabesken verziert, obenauf mit dem Kopf eines Braunbären mit ausgestreckter Zunge.

Als älteste Bensner Familiennamen sind überliefert 1389 Gans, 1391 Molner, 1394 Peuker, 1397 Becherer, Freyse, Frobin, Hasemaus, Neumann, Schafrath, Trewschil (Tröschel) und Wank sowie die vom gleichen Jahr als Schöppen genannten Einwohner Fleischer, Höslener, Kaule, Klazel, Korzener, Pfropper, Pomser, Prescher, Richter, Rosele, Schmied und Bank. Weiter sind genannt 1423 Drosel, 1426 Lange, Lühne, Messner, Reifner, Richter und Weiprich (alles Ratsherren), 1438 Pflugknecht (evtl. Fuhrknecht), 1483 Fischer und Tietze. Von Anfang des 16. Jahrhunderts sind bekannt Limpach, Lorenz und Ritschel. Weiter 1509 Fleck, 1512 Weigel, 1513 Tute, 1515 Weiß, 1519 Beierlein, Rätze und Fröhlich, 1526 Kanneberger und Käkyrs, 1529 Riemer, 1530 Fiebiger, 1535 Zoll, 1536 Schlegel, 1537 Steuderer, 1538 Werner, 1544 Pause, 1547 Töpper, 1548 Juhre oder Juckert, 1554 Besdebirn, Hermer, Löblich, Meißner, Puschgier, Rochlitz und Weipricht, 1555 Triller, 1557 Ring, 1560 Hederich, 1569 Lurke, 1571 Horn, 1580 Hünich, Krompholz, Oswald und Preiß.

1654 bestanden vier Herrschaften in Bensen: (1) Bensen I: Besitzer Paul Aldringen, (2) Binsdorf (Bensen II): Besitzerin Anna Clary geb. Aldringen; (3) Rosendorf (Bensen III): Besitzer Katharina Attems geb. Aldringen und (4) Bensen IV: Besitzer Familie von Thun-Hohenstein. Insgesamt wohnten in dieser Zeit 69 Bürgerfamilien in Bensen sowie 70 Gärtner- und Häuslerfamilien in der Vorstadt. Bensen bestand somit aus 139 Häusern. 1725 trugen die Hausbesitzer in Bensen die Namen Lühne, Reifner, Ritschel, Nitsche, Sierich, Hegenbart, Kambrich, Loch, Schlegel, Schmied, Schür, Ahne, Clement, Castor, Färber, Großer, Hache, Hückel, Jäger, Jahnel, Kanneberger, Lange, Lindner, Lorenz, Lößel, Matzke, Mohr, Parsche, Preis, Riedl, Rotsch, Schrimpfe, Schüllhabel, Schwarzer, Störch, Sturm, Träger, Watzke, Weber, Wenzel, Windrich und Zumpe und in der Vorstadt: Matzke, Richter, Fieber, Hegenbart, Klügel, Böhm, Dörfel, Hache, Limpach, Lorenz, Michel, Prosche, Sabitzer, Schmied, Schwarzer, Watzke, Wenzel, (von) Werner, Weypricht, Zumpe, Bendel, Buchhoß, Czirnstein, Freyer, Friedrich, Hanke, Heger, Kambrich, Kleinpeter, Knechtel, Krolop, Krombholz, Lorenz, Matzke, Mühlen, Neumann, Nitsche, Ossendorf, Pandler (oder Paudler), Philipp, Pohl, Ritschl, Rotsch, Schimpke, Seemann und Zöhner. 1833 hatte Bensen 224 Häuser und 1.066 Einwohner. 1817 erwarb die Stadt von der Herrschaft Thun-Hohenstein das Gut Scharfenstein mit den acht Dörfern Voitsdorf, Groß-Wöhlen, Klein-Wöhlen, Höflitz, Zautig, Neuland, Franzenthal mit Meierhof und Josefswille sowie die zwei Teildörfer Nieder-Ebersdorf und Freudenberg mit dem Meierhof Freudenhöfel. Nach der Auflösung der Grundherrschaft im Jahre 1850 verblieb der Stadt davon ein Eigenbesitz von etwa 250 ha. Während des 19. Jahrhunderts vergrößerte sich die Stadt Bensen durch die Ansiedlung von Industrie beträchtlich. Bei der Gemeindeeinteilung im Jahre 1849 wurde die Ortschaft Reifen Teil der politischen Gemeinde Bensen. Ende der 1920er Jahre wurde auch die Ortschaft Neuland eingemeindet, die seit 1849 zusammen mit Franzenthal, Josefswille, Theresienthal und Ulgersdorf die politische Gemeinde Neuland gebildet hatte. 1869 standen 304 Häuser, in denen 1.952 Einwohner lebten, 1890 gab es 341 Häuser mit 3.080 Einwohnern.

Die häufigsten Familiennamen waren 1934 (der Häufigkeit nach): Hegenbarth, Böhm, Richter, Weber, Hof(f)mann, Wagner, Müller, Weigel, Wenzel, Schröter, Riedel, Werner, Fürtig, Lühne, Möser, Ritschel, Bendel, Schellmann, Schiefner bzw. Schiffner, Schmied bzw. Schmidt, Tietze, Fiedler, Kanneberger, Krompholz, Neumann, Hackel, Lorenz, Preiß, Bittner, Dampe bzw. Tampe, Exel, Freyer, Heller, Parsch(e), Rösler, Storch, Dörre, Günther, Hanke, Jahnel, Knothe, Michel, Au(g)st, Fieber, Franz(e), Gautsch, Hauptmann, Hocke, Hübel, Knechtel, Kunert, Palm(e), Patzner, Püsche, Störch, Wiesner, Zaschke, Dörfel, Glanz, Horn, Klein, Knechtel, Krebs, Löbel, Pilz, Re(h)nelt bzw. Rönelt, Schimmel, Schneider, Scholz(e), Sommer, Tröschel und Wurm.

Ortschaft und Meierhof Reifen
Der Ortsname Reifen erscheint erstmals im Stadtprivileg von 1511. Damals hatten mehrere Wirte in Reifen Geschoßverpflichtungen (= Verpflichtung zu Transportleistungen). Die Namen waren Lemmer, Gall und (vielleicht auch) Tilemann, Hampe, Herre und Wenzel. Der Meierhof Reifen wurde 1562 gegründet und hatte in den folgenden 300 Jahren eine Reihe von Besitzwechseln. Vermutlich steht der Name Reifen mit dem Alt-Bensener Familienname Reifner in Zusammenhang. Für 1570 ist der Wald „Rayffen” nachgewiesen. 1798 wurde ein Großteil der Meierhoffelder an 22 Ansiedler verkauft. 1833 hatte das Dorf „Raifen” 26 Häuser und 115 Einwohner. Von 1787 an gehörte Reifen gut 60 Jahre zu Nieder-Ebersdorf. Bei der 1849 vorgenommenen modernen Gemeindeverwaltung kam Reifen zur Stadt Bensen. 1905 gab es dort 30 Häuser und 147 Einwohner.

Neuland
Die südwestlich von Bensen am rechten Polzenufer am Fuße des steil abfallenden Neulander Berges (die sog. „Anewand”) gelegene Ansiedlung Neuland entstand bald nach 1515 als Fortsetzung der zur Stadt gehörenden Uferbebauung. 1583 lauteten die Familiennamen Dünnbier, Jäger, Kleinpeter, Pehe, Preiß, Reifner, Ulrich, Weber, Weigel und Werner. Der Ortsname „Neuland” (mundartlich „Elend” genannt), stammt wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen Wort „ellende”, das soviel wie fremder oder abseits gelegener Ort bedeutet. In der Steuerrolle von 1654 sind 18 Häusler verzeichnet. 1713 hatte „Elende” ebenfalls 18 Wirte mit durchwegs weniger als ein Strich Ackerfläche. 1787 und 1833 besaß „Eylande” 22 Hausnummern, im letztgenannten Jahr lebten dort 123 Einwohner. 1921 gab es 23 Häuser mit 133 Einwohnern. Ab 1787 gehörte Neuland zu Nieder-Ebersdorf und wurde 1849 mit den Ortschaften Franzenthal, Josefswille, Theresienthal und Ulgersdorf zur Gemeinde Neuland zusammen geschlossen, die 1904 in die Gemeinde „Franzenthal-Ulgersdorf” umbenannt wurde. Bald nach 1920 erfolgte die Eingemeindung von Neuland in die Stadt Bensen.

Besonders sehenswert sind in Bensen die beiden Schlösser an der Stelle einer alten Burg. Das „Obere Schloss”, das zwischen 1522 und 1524 erbaut wurde und seine heutige Gestalt (welche Stilelemente der Spätgotik und Renaissance vereint) durch die damaligen Besitzer Friedrich (der Ältere) von Salhausen und Friedrich (der Jüngere) von Salhausen 1571 erhielt. Das „Untere Schloss” wurde zwischen 1540 und 1544 durch Hans von Salhausen am Ringplatz an der Stelle von vier aufgekauften Bürgerhäusern errichtet und 1578 von seinen Söhnen Wolf und Antonius von Salhausen im Renaissancestil vollendet. Sehenswert sind außerdem das Rathaus am Marktplatz (Baubeginn 1849) und die Mariensäule sowie die spätgotische Pfarrkirche Mariä Geburt, die zwischen 1483 und 1554 an Stelle der durch die Hussiten 1426 zerstörten ersten steinernen Kirche aus dem 14. Jahrhundert erbaut wurde und eine prächtige Innenausstattung hat.

Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Bensen nahm am 20. Juni 1945 ihren Anfang. Mehr als die Hälfte der Einwohner mussten an diesem Tage den Fußmarsch über Habendorf, Hochdobern und Güntersdorf zur sächsischen Grenze antreten.

1961 lebten in der Stadt Benešov nad Ploucnici (Bensen am Polzen) etwa 3.500 Menschen, 2007 sind es rund 4.200 Einwohner. Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt nun 976 ha. Ovesná (= Habendorf) ist heute in die Stadt Benešov eingemeindet. Dazu kommt noch als eigene Lage Terezínské Udolí (= Theresienthal). Eine Städtepartnerschaft besteht mit Heidenau bei Pirna.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Franzenthal-Ulgersdorf

Die Gemeinde Franzenthal-Ulgersdorf bestand aus den vier Ortschaften Franzenthal, Ulgersdorf, Theresienthal und Josefswille. Die fünfte Ortschaft Neuland war um 1930 abgetrennt und der Stadtgemeinde Bensen angegliedert worden. Das Gemeindegebiet umfasste 198 ha, ist fast durchwegs bergig und war durch das Polzental in einen größeren südwestlichen und kleineren nordöstlichen Teil gegliedert. Der erstere erreicht Höhen von etwas über 400 m mit steil zum Polzen abfallenden, teils felsigen Hängen, der letztere gipfelt im Weberberg mit 315 m. Es überwiegt basaltisches Gestein, das im Scharfensteinfelsen mit Phillipsit durchsetzt ist. Infolge der geschützten Tallage und dem Eruptivgestein ist das Gebiet bei Franzenthal-Ulgersdorf eine der Wärmeinseln im Polzental. Franzenthal-Ulgerdorf war eine ausgesprochene Industriegemeinde, denn 63 % der Erwerbsbevölkerung entfiel 1939 auf Industrie und Handwerk, der Anteil der Beschäftigten in Handel und Verkehr lag bei knapp 13 % und in der Land- und Forstwirtschaft bei unter 10 %.

Das in der Neuzeit von der Gemeinde Franzenthal-Ulgersdorf eingenommene Gebiet gehörte von altersher zur Bensener Stadtpfarrei Mariä Namen. Um 1580 erfolgte die Umpfarrung der damals einzigen bestehenden Ortschaft Ulgersdorf zur Stadtkirche St. Bartholomäus in Sandau. Nachdem 1708 Franzenthal und 1792 Josefswille gegründet worden waren, die beide der Pfarrei Bensen zugewiesen wurden, kehrte 1783 auch Ulgersdorf zur Mutterpfarrei Bensen zurück und das 1869 entstandene Theresienthal wurde ebenfalls dahin eingepfarrt. Die Matriken für die jüngeren Ortschaften wurden seit ihrer Gründung bei der Pfarrei Bensen geführt. Für Ulgersdorf finden sich bis 1623 vereinzelt Eintragungen in Bensen. In Sandau gibt es Matriken für Ulgersdorf von 1763 bis 1783. Danach beginnen die Ulgersdorfer Matriken in Bensen.

Vermutlich hatte Ulgersdorf als ältester Ort von der Gründung an ein Erbgericht, doch Nachweise fehlen. Seit dem 17. Jahrhundert bestand eine Ortsrichterei in Ulgersdorf und seit dem 18. Jahrhundert auch in Franzenthal und in Josefswille.

Burg Scharfenstein samt dem Herrschaftsgebiet
Die Erbauung der Burg Scharfenstein etwa auf halber Wegstrecke zwischen Tetschen und Böhmisch Leipa auf einem schwer zugänglichen Felsstock über einem scharfen Knie des Polzenflusses erfolgte um 1220/30 vermutlich durch Markwart von Jablonna, der von 1197 bis 1230 Burg- und Gaugraf (= Zupan) auf Tetschen war. Nach 1268 zog König Ottokar II. die Burg samt Umland als Krongut ein. Nach seinem Tode gelangte der Scharfenstein durch eine Schenkung König Wenzels II. 1283 an Johann von Michelsberg, dem Oberstmundschenk von Böhmen, dessen Ritterfahrten durch den Sänger Heinrich von Freiberg verherrlicht wurden. 1407 ging die Herrschaft Scharfenstein mit der Burg an die Familie Berka von Dauba über. Die Burg wurde im Rahmen der „Wartenberger Fehden” 1445 vom Lausitzer Sechsstädtebund zerstört und nie wieder aufgebaut. Die nachfolgenden Besitzer verlegten den Herrschaftssitz in die „Hofestatt” - das spätere obere Schloss in Bensen. 1562 erfolgte eine Herrschaftsteilung nach dem verstorbenen Besitzer Friedrich der Ältere von Salhausen auf dessen beiden Söhne Johann und Friedrich der Jüngere. Als beide 1575/76 verstorben waren, kam es zu einer neuerlichen (sehr komplexen) Teilung in eine „ältere” Herrschaft Scharfenstein und eine „jüngere” Herrschaft Scharfenstein mit dann wechselnden Besitzern. Im Jahre 1850 wurden sämtliche Teile wieder vereinigt und dem Gerichtsbezirk Bensen eingegliedert.

Franzenthal
Franzenthal wurde 1708 auf dem am linken Polzenufer gelegenen und schwer zugänglichen Gründen des Meierhofes Scharfenstein gegründet. Es erhielt seinen Namen nach dem Grafen Johann Franz von Thun, der die Grundstücke zur Verfügung stellte. Die Namen der ersten Ansiedler lauteten Wenzel, Bendel, Bauer, Dörr, Hackel, Hauptmann und Schwarzer. Sie stammten aus Hochdobern, Ober-Ebersdorf, Ulgersdorf und von der Schäferei Tröschel. 1787 hatte der Ort 20 Hausnummern und 1833 lebten 118 Einwohner in 22 Häusern. Mitte des 19. Jahrhunders stellte sich ein beachtlicher Aufschwung ein, als in Franzenthal mehrere Betriebe der Textilindustrie gegründet wurden. Bei den Volkszählungen von 1869, 1890 und 1910 hatte Franzenthal 301 bzw. 449 bzw. 566 Einwohner. Der Bevölkerungshöchststand wurde 1930 mit 590 Bewohnern erzielt, von denen 523 auf Franzenthal und 67 auf Scharfenstein entfielen. Die häufigsten Familiennamen in Franzenthal waren 1934 Heller, Weber, Lösel, Friedrich, Gärtner, König, Müller, Neumann und Tuma.

Meierhof Scharfenstein
Der nordwestlich der Burg auf der Hochfläche in Richtung Bensen gelegene Hof Scharfenstein bestand schon im 15. Jahrhundert und war damals zeitweise als Unterlehen vergeben. Seit dem 16. Jahrhundert bewirtschafteten ihn die Herrschaftsbesitzer selbst. Die Stallungen waren zur Unterbringung von 600 Schafen und 50 Rindern geeignet. Die Schäferei Tröschel war dem Hof unterstellt. Seit 1795 war der Meierhof verpachtet und die Gründe wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts in Teilen verkauft.

Josefswille
Volkstümlich wurde Josefswille als „Tröschel” bezeichnet und mindestens seit 1570 als Schäferei genutzt. Als die Schäferei 1782 aufgelöst wurde, vergab Graf Franz Josef von Thun rund 44 ha Grundfläche an Siedler, deren Häuser in vier Gruppen bzw. vier Ortsteilen angeordnet wurden. Diese bekamen den Namen „Josefswille”, wobei „Wille” wahrscheinlich im Sinne des lateinischen Wortes „villa” = Dorf zu verstehen ist. Die ersten vier Häuser bildeten den Ortsteil „Im Hofe” an der Stelle der alten Schäferei. Sie wurden von den Siedlern Schmied, Dörre und Möser erbaut. Bald folgten die zehn Häuser „Bergwiese” mit den Familien Fritsch, Hanke, Hübel, Lorenz, Schier, Schreiber, Selz und Tausch, dann die sechs Häuser „Lange Seite” oder „Lange Reihe” mit den Familien Haberschin, Kleinpeter, Püschel, Reichert, Richter und Röhrig sowie die vier Häuser „Am Grundbach” oder „Gründel” mit den Familien Klügel, Hanke und Klum. 1787 standen zwölf Häuser und 1833 hatte „Josephswille” schon 26 Wohngebäude mit 134 Einwohnern. Zunächst gelangte Josefswille zur politischen Gemeinde Niederebersdorf, bis es 1849 zur Gemeinde Neuland gelangte. Die häufigsten Familiennamen in Josefswille waren 1934 Lorenz, Mattausch, Tausch und Weidner.

Kolonie Theresienthal
Theresienthal („Neuhäuser”) wurde als Arbeiterwohnkolonie mit zehn Doppelhäusern für 20 Familien 1869 von der Firma Mattausch u. Sohn gestiftet, welche Eigentümer der Werkswohnungen blieb. Der Ort erhielt seinen Namen nach Therese Mattausch geb. Münzberg, der Frau des Textilindustriellen Franz Mattausch. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte der Ort 112 bzw. 116 Einwohner. 1930 lebten nur noch 74 Menschen dort. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Heller und Weigel.

Ulgersdorf
Ulgersdorf dürfte entweder kurz vor oder bald nach den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert entstanden sein. Es ist am rechten Polzenufer als einseitige Reihensiedlung mit Waldhufenfluren angelegt. Der Ortsname dürfte auf den Personennamen Ulrich oder Udalrich zurückzuführen sein, welcher der Lokator bzw. Gründer war. Im Jahre 1543 wurde „Ulgirstorff” und 1611 „Ulgersdorff” geschrieben. Die ältesten überlieferten Familienamen des Ortes sind Ast (später Austen) und Brosche, die für 1570, sowie Lorenz und Störch, die für 1580 belegt sind. Die Mertendorfer Matrik nennt für 1611 Habscher. Das Schätzungsregister von 1612 führt die Wirte Lorenz, Ast, Bendel, Brosche, Hockschar und Stopke (später Stöppich) auf. 1654 hatte der Ort zehn Häuser, ebenso wie im Jahre 1713. 1787 wurden 22 Hausnummern registriert und 1833 standen 25 Häuser, in denen 121 Einwohner lebten. Bei den Volkszählungen von 1869, 1890 und 1910 lebten 223 bzw. 398 bzw. 456 Bewohner im Dorf. Die häufigsten Familiennamen in Ulgersdorf waren 1934 Richter, Werner, Fiedler, Gautsch, Hackel, Gabler, Heide, Heller, Hentschel, Hübel, Hüttel, Klügel, König, Lösel, Müller, Neumann, Nittel, Philipp, Ringelhan, Schneider, Thörme und Weigel.

Die tschechische Gemeinde Františkov nad Ploucnici  (= Franzenthal) kommt ohne den Ortsnamen Ulgersdorf aus, welcher völlig aufgegeben wurde. 1961 lebten 1.091 Einwohner im Ort. Am 28.08.2006 wohnten 374 Menschen in der Gemeinde. Josefswille wird nunmehr als Mlatce (= Drescherei, abgeleitet vom mundartlichen „Tröschl”) bezeichnet - 1961 lebten dort 45 Personen.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Groß-Bocken

Die Gemeinde Groß-Bocken im Gerichtsbezirk Bensen bestand ausschließlich aus der Ortschaft Groß-Bocken. Innerörtlich wurden das Ober-, das Mittel- und das Niederdorf unterschieden. Das Gemeindegebiet nimmt eine nach Südosten öffnende Mulde ein. Die Gesamtfläche der Gemeinde umfasste 623 ha und war zu fast 80 % landwirtschaftlich genutzt, etwa 20 % waren bewaldet. Der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Einwohner betrug 28 %, Industrie und Handwerk ernährten 47 % der Bewohner. In Handel und Verkehr waren 12 % der Erwerbstätigen beschäftigt. Die meisten Groß-Bockener fuhren nach Franzenthal, Politz und Sandau zur Arbeit.

Groß-Bocken gehörte ursprünglich zur Stadtpfarrei St. Bartholomäus in Sandau und war nach der Rekatholisierung bis 1658 der Pfarrei Ober-Politz unterstellt. Als 1722 in Klein-Bocken eine eigene Pfarrei St. Wenzel eingerichtet wurde, kam Groß-Bocken zu diesem neuen Kirchspiel. Die Matriken für Groß-Bocken sind wie alle Kirchenbücher der Pfarrei Klein-Bocken seit 1713 (Einrichtung einer Filialkirche von Sandau) erhalten. Es ist anzunehmen, dass Groß-Bocken seit seinem Bestehen ein deutschrechtliches Erbgericht hatte. Seit dem 17. Jahrhundert bestand ein Ortsgericht, das für 1665 belegt ist. Die im Jahr 1849 gebildete politische Gemeinde Groß-Bocken umfasste auch die Ortschaften Alt-Schockau und Karlsthal, die 1877 bzw. 1914 als selbständige Gemeinden abgespalten wurden.

Groß-Bocken ist ein im 13. Jahrhundert entstandenes deutsches Rodungsdorf, dessen doppelreihige waldhufenförmige Anlage im Gelände noch erkennbar ist. Der Ortsname geht zweifellos auf einen vordeutschen Geländenamen zurück, nämlich auf das slawische Wort „bukowina” (= Buchenwald). In diesen Wald war die Rodungssiedlung offenbar hinein gelegt worden. Die älteste bekannte urkundliche Nennung, die im Kamnitzer Stadtbuch zu finden ist, stammt von 1385 und lautet „Bockven”. 1633, inmitten des Dreißigjährigen Krieges, war das riesige Heer Wallensteins durch Groß-Bocken gezogen. In der Steuerrolle von 1654 hatte der Ort bereits 55 Häuser. Im Dorf lebten 17 Bauern-, sechs Gärtner- und 32 Häuslerfamilien. Die Bauern hießen damals Janich, Schiffner, Fischer, Grumbach, Heide, Köhler, Lorenz, Mücke, Pompe, Pringe, Ritschel, Ulrich, Wagner und Zimmer. Von diesen Namen sind Grumbach, Mücke und Bittner bereits für das Jahr 1550 nachgewiesen. 1713 standen 66 Häuser (29 Wirte und 37 Häusler, von denen die meisten als Taglöhner arbeiteten). Es gab zwei Meierhöfe, eine herrschaftliche Schenke und eine Brauerei. 1787 wurden 122 Hausnummern und ein „mittelmäßiges Schloss” sowie zwei Meierhöfe verzeichnet. 1833 stellte der Topograph Schaller in seiner Beschreibung 156 Häuser und 1.046 Einwohner fest. 1848 erreichte die Bevölkerung mit 1.145 Einwohnern ihren Höchststand. Nach den Volkszählungen von 1869 und 1890 besaß Groß-Bocken 1.077 bzw. 964 durchwegs deutschsprachige Einwohner. Durch die Industrieferne nahm die Bevölkerung dann ab. Die häufigsten Familiennamen waren 1945 Schiffner, Janich, Heide, Ritschel, Weikert, Sommer, Wagner, Handschke, Funke, Hackel, Hauptmann, Jahnel, Aust, Heller, Möser, Patzner, Reichelt, Rösler und Storch.

Schloss Großbocken und Meierhöfe
1530 war Groß-Bocken der Sitz eines selbständigen Gutes geworden. Bald darauf entstanden das Schloss sowie zwei Meierhöfe und eine Brauerei. Das Schloss war von einem Wallgraben umgeben. Das herrschaftliche Gebäude wurde ab 1732 nicht mehr benutzt, blieb seit 1756 unbewohnt und wurde 1798 verkauft. Danach wurden das Obergeschoss abgetragen und der Unterbau in vier Wohnhäuser umgebaut (die Häuser Nr. 6, 7, 146 und 147). Die beiden Meierhöfe waren im 16. Jahrhundert durch Aufkauf von mindestens sieben Bauerngüter gebildet worden. Kurz vor dem Jahre 1800 wurden die beiden Gutshöfe aufgelöst und die Felder an Siedler verkauft. Dabei entstand auf den Gründen des sogenannten „Oberhofes” 1792 die Ortschaft Karlsthal, die bis 1914 zur Gemeinde Groß-Bocken gehörte und dann selbständig wurde. Der untere Meierhof, der „Niederhof” lag beim unteren Ortsausgang. Bei seiner Auflösung kamen die dazugehörigen Felder an 20 Kleinlandwirte.

Die tschechische Gemeinde Velká Bukovina (= Groß-Bocken) bildet zusammen mit den Orten Karlovka (= Karlsthal) und Malá Bukovina (= Klein Bocken) eine politische Gemeinde unter dem Namen Velká Bukovina. Bei der Zählung vom 28.08.2006 wurden 410 Menschen in der gesamten Gemeinde registriert.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Groß-Wöhlen

Groß-Wöhlen: Tannbuschbaude
[ Bilder ansehen ]

Die Gemeinde Groß-Wöhlen im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der Ortschaft Groß-Wöhlen sowie der an die Ortschaft Hortau angelehnte Häusergruppe Sonnenhügel oder „Nusshackerdörfel” und dem einschichtigen Berggasthaus „Tannbuschbaude”. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 395 ha; das Gemeindegebiet wird von einem bergigen Gelände eingenommen, das von einer in westöstlicher Richtung geneigten Mulde durchzogen wird, in der Groß-Wöhlen liegt. Die Gemeinde hatte bis 1945 ihren landwirtschaftlichen Charakter ziemlich bewahrt und rund 25 % der deutschen Erwerbsbevölkerung lebte von land- und forstwirtschaftlichen Berufen. In Industrie und Handwerk waren 55 % und im Bereich Handel und Verkehr über 7 % der Einwohner beschäftigt.

Groß-Wöhlen gehörte seit jeher zur Pfarrei St. Anna in Höflitz und war von 1628 bis 1675 der Stadtpfarrei Mariä Geburt in Bensen unterstellt. Die Matriken beginnen für Groß-Wöhlen wie alle Höflitzer Kirchenbücher im Jahre 1672. Ältere Eintragungen ab 1628 können in den Bensener Matriken zu finden sein. Die Dorfkapelle Mariä Heimsuchung wurde 1746 erbaut. 1856 brannte der Holzbau ab und an seiner Stelle wurde im gleichen Jahr ein Neubau mit Glockentürmchen errichtet.

Groß-Wöhlen ist allem Anschein nach in der Blütezeit der deutschen Rodungsperiode im 13. Jahrhundert entstanden, dafür sprechen vor allem die doppelreihige Waldhufenanlage des Ortes, die beträchtliche Zahl von Bauernhöfen und das Vorhandensein eines Erbgerichtes. Wahrscheinlich ist das Dorf als eine Art Tochtersiedlung von Klein-Wöhlen entstanden, zumindest aber wurde dessen Name Wöhlen oder Wehlen übernommen. Wahrscheinlich liegt dem Namen ursprünglich ein Personen- oder Sippenname zugrunde. Möglicherweise wurde Groß-Wöhlen erstmals 1467 erwähnt (nach Neder - aber ohne Quellenangabe). In der tschechisch geführten Landtafel ist der Ort 1543 (für 1515) als „w Welikem Weleni” aufgeführt. Die am frühesten auftretenden Familiennamen von Groß-Wöhlen sind seit etwa 1500 Böhm (später im Kreisgebiet in 100 Linien verzweigt) und seit 1561 Kusebauch. Laut einem Salhausen-Vertrag von 1583 gab es mit 19 Bauern und zwei Gärtnern 21 Häuser im Ort. Das Scharfenstein-Urbar von 1607 führt 20 Bauern und einen Gärtner auf. Die Familiennamen der Bauern waren Böhm, Matzke, Riedel, Fritsche, Hempel, Hieke, Hutzschke, Junghans, Lahre, Lorenz, Lösel, Schwarzer, Tschech und Wetzke. Die Namen Riedel und Gautsch kamen erst 1614 bzw. 1617 durch Zuzug hinzu. In der Steuerrolle von 1654 sind für „Wehlen welky” 30 Hausbesitzer verzeichnet - 13 Bauern, acht Gärtner und neun Häusler. 1713 standen 46 Häuser, in denen 21 Wirte und 25 Häusler lebten. Die Namen der Einwohner lauteten um diese Zeit Böhm, Zaschke, Tschech, Hauptmann, Kusebauch, Riedel, Ritschel, Böhm, Haschke, Michl, Rasche und Weber. 1787 hatte „Groß Wehlen” 67 Hausnummern und eine Papiermühle. 1833 standen 91 Häuser, in denen 603 Bewohner lebten. Seit 1847 entstand der fünf Häuser umfassende Ortsteil Sonnenhügel bzw. Nusshackerdörfel mit der 1848 erbauten Lochmühle.

Die Bevölkerungsentwicklung im 19. Jahrhundert verlief schwankend. Nachdem bis 1848 ein Anstieg auf 678 Einwohner eingetreten war, sank die Zahl der Personen 1869 auf 575 und stieg dann über 656 im Jahre 1890. Im Jahre 1934 war Böhm mit 37-maligem Vorkommen der häufigste Familienname in Groß-Wöhlen. Es folgten an Häufigkeit Lorenz, Hanke, Rasche, Schimmel, Heller, Ladisch, Fischer, Hegenbart, Kusebauch, Reichert und Re(h)nelt.

Die tschechische Gemeinde Velká Velen (= Groß-Wöhlen) hatte 1961 114 Einwohner und gehört heute als Stadtteil XXX zur Stadt Decín. 

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Güntersdorf

Güntersdorf     
[ Bilder ansehen ]

Die Gemeinde Güntersdorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus den Ortschaften Güntersdorf, Franzberg und Poppendörfel. Das Gemeindegebiet nimmt den nördlichen Teil der basaltischen Hochdobern-Güntersdorfer Hochfläche ein, die nördlich des Ortes Franzberg von Süden nach Norden zu geneigt ist von etwa 450 m bis 300 m abfällt. Vom Scheitelpunkt der Losdorf-Güntersdorfer Straße, der sog. „Güntersdorfer Höhe” (427 m) bietet sich eine prachtvolle Aussicht gegen Norden und Osten. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 726 ha und war zu 64 % bewaldet; 32 % wurden bis 1945 landwirtschaftlich genutzt. Güntersdorf, Franzberg und Poppendörfel waren bis 1945 im wesentlichen bäuerliche Dörfer geblieben, da es keine Industrieansiedlungen gab. Von der Gesamtbevölkerung arbeiteten auch über 31 % im Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft. In Industrie und Handwerk waren 38 % beschäftigt; die Arbeiter aus Güntersdorf hatten ihre Arbeitsplätze meistens in Tetschen, Bensen und Böhmisch Kamnitz. Im Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr waren 12 % der Einwohner tätig.

Güntersdorf gehört zu den in der Blütezeit des deutschen Landausbaus im 13. Jahrhundert errichteten Pfarreien. Zum Pfarrsprengel gehörten neben Güntersdorf selbst auch Hochdobern, Parlosa sowie Alt- und Neu-Ohlisch. Von 1486 bis 1786 war Hochdobern ausgegliedert und an die Pfarrei Mariä Geburt in Bensen angeschlossen. Ab 1628 wurde die Güntersdorfer Pfarrei von Bensen aus mitbetreut. Anschließend wurde die Pfarrei eine Filialkirche der Pfarrei St. Martin in Markersdorf und erst nach langjährigen Bemühungen 1725 wieder eine selbständige Pfarrei. Von den Kirchenbüchern für den Pfarrsprengel Güntersdorf sind die Tauf- und Sterbematriken ab 1616 und die Trauungsmatriken seit 1602 erhalten (mit einer Lücke zwischen 1688 und 1704). Eintragungen sind aber auch in den Markerdorfer Matriken zu finden. Die alte Pfarrkirche St. Georg stammte noch aus spätgotischer Zeit. Sie brannte 1880 durch Blitzschlag ab und wurde bis 1884 wieder aufgebaut. Die Kirche verfiel nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung und wurde 1971 gesprengt. Seit 1710 stand die Kapelle Maria Schnee neben dem Gasthaus Harnisch (Nr. 71) an der Kaiserstraße und in unmittelbarer Nähe der Schenke Nr. 1, die von der Familie Kretschmer aus Güntersdorf bzw. Prag finanziert worden war. Sie wurde 1939 wegen einer Straßenverbreiterung abgetragen. Eine zweite Kapelle mit Namen Maria Geburt stand auf dem Platz des 1921 errichteten Kriegerdenkmals in unmittelbarer Nähe der Kirche, welche ebenfalls von der Familie Kretschmer erbaut worden war.

Güntersdorf wird erstmals 1352 in den Papstzehentregistern aus den Jahren 1352 bis 1405 als „guntheri villa” urkundlich erwähnt. Seit der Ortsgründung hatte eine Erbrichterei bestanden, die sich zusammen mit der Erbschänke in dem später mit der Hausnummer 1 versehenen Hof (Ahne) befand. Der älteste überlieferte Richtername Nikolaus wurde schon 1397 genannt. Das älteste Schöppenbuch wurde 1588 begonnen. Güntersdorf ist als zweireihiges Straßendorf mit Waldhufenanlage im 13. Jahrhundert durch deutsche Siedler gegründet worden. Für diesen im Tetschner Raum frühen Zeitpunkt sprechen hauptsächlich die großräumige Anlage und die beträchtliche Zahl von 18 Bauernstellen. Hinsichtlich des Ortsnamens besteht kein Zweifel, dass er auf den Personennamen Günter zurückzuführen ist, dessen Träger vermutlich der Lokator bzw. Gründer des Ortes und erster Inhaber des Erbrichteramtes gewesen ist. Von Familiennamen der frühen Zeit sind bekannt: 1437 Seiffried, 1468 Ahne, 1490 Seifert, 1505 Schwan (?), 1555 Lösel, 1536 Fritsch, 1558 Bartel, Dörre und Ulrich. Für alle der im 20. Jahrhundert in Nordböhmen weit verbreiteten Familienzweige Ahne und Fritsch(e) war Güntersdorf der Ursprungsort. 1654 standen 54 Wohngebäude im Ort, in denen 18 Bauern, elf Gärtner und 26 Häusler lebten. Die Familiennamen der in der Steuerrolle von 1654 von „Kintersdorff” eingetragenen Bauern lauten auf Hüttl, Hegenbart, Ratschke, Ahne, Bendel, Dörre, Fritsch, Grams, Gwaltiger, Hirsch, Kunert, Piesche, Schwarz und Wendl. Für kurze Zeit befand sich von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1669 in Güntersdorf auch ein kleiner Rittersitz der Familie von Hirsch aus Markersdorf - vermutlich im Bereich des späteren Forsthauses. Im Theresianischen Kataster von 1713 sind für „Güntersdorff” 82 Häuser verzeichnet, in denen 29 Wirte und 53 Häusler lebten. 1739 wurde in Güntersdorf das letzte Eheding (= Volksgerichtsversammlung) als wohl eines der letzten überhaupt in der Gegend um Tetschen abgehalten. 1787 gab es 128 Häuser und 1833 lebten 925 Einwohner in 152 Häusern. Am 8. Mai 1945 griffen russische Jagdflieger den Ort an, wobei eine Brandbombe das Gasthaus Ahne traf und einen größeren Schaden anrichtete. Die meisten Einwohner mussten am 15.11.1945 ihre Heimat verlassen, die letzten 50 Güntersdorfer wurden am 16.08.1946 zusammen mit Pfarrer Holfeld nach Westdeutschland vertrieben.

Die höchste Bevölkerungszahl erreichte Güntersdorf um 1850 mit 951 Einwohnern; mit Franzberg und Poppendörfel zusammen waren es 1.222 Einwohner. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden 858 (Gesamtgemeinde 1.092) bzw. 814 (1.023) deutsche Einwohner festgestellt. Wegen fehlender Industrie sank die Einwohnerzahl allmählich ab. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Ahne, Hegenbart, Fritsch, Gautsch, Hübner, Lorenz, Lösel, Piesche, Ritschel, Füger, Heidenreich, Laube und Neumann.

Poppendörfel
Die älteste bekannte Erwähnung dieser kleinen, am Rande der Güntersdorfer Hochfläche nach Westen gelegenen Ortschaft stammt von 1588. Es gibt aber mehrere Hinweise, dass der Ort wesentlich älter ist. Der Name geht sicherlich auf eine Umformung aus „Bocken” zurück. Schon 1454 wurde der Ort „Bukowina” (= Buchenort) zwischen Losdorf und Falkendorf gelegen, genannt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Poppendörfel völlig zerstört. 1659 ist verzeichnet, dass die vier Wirte Thomas Sommer, Franz Ritschel, Chr. Sehakel und Jonas Süßig neu angesiedelt wurden. Die beiden letzteren weisen auf eine Herkunft aus Falkendorf und Losdorf hin. Der 1604 in Poppendörfel vertreten gewesene Name Schicht trat nicht mehr auf. 1714 gab es sechs Häuser, in denen 35 Einwohner lebten. 1787 waren es sieben Nummern und 1833 ebenfalls sieben Häuser mit 40 Einwohnern. Den höchsten Bevölkerungsstand erreichte der Ort 1848 mit 49 Einwohnern. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 waren es 34 bzw. 31 Personen. 1934 kamen in Poppendörfel die Familiennamen Ahne, Hübner, Kunert und Ratschke je zweimal vor.

Franzberg
Der im 16. Jahrhundert eingerichtete Meierhof bei Güntersdorf, der 1607 erweitert worden war, wurde ab 1775 aufgelöst. Auf den verkauften Grundstücken wurden ab 1780 die ersten Häuser erbaut. 1787 waren bereits neun Häuser entstanden. Der Ortsname geht auf den Gründer, Graf Franz Joseph von Thun zurück. 1815 standen 28 Häuser, die von 151 Personen bewohnt waren. 1833 hatte Franzberg 30 Häuser mit 189 Einwohnern. 1857 wurde mit 216 Bewohnern der höchste Bevölkerungsstand erreicht. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden 200 bzw. 188 deutsche Einwohner festgestellt. 1930 waren es noch 143. Die mehrfach vorkommenden Familiennamen in Franzberg waren 1934 Ahne, Hegenbart, Schieche, Grams, Henke, Michel, Neumann und Ringel.

1950 hatten Huntirov 401 und das dazugehörige Františkuv Vrch 65 Einwohner. 1969 wurden die Ortschaften Stará Oleška und Nová Oleška (= Alt-Ohlisch und Neu-Ohlisch) eingemeindet. Diese beiden Dörfer hatten sich schon 1957 zu einer politischen Gemeinde verbunden. Poppendörfel (= Popovicky) am Fuße des Poppenbergs wurde als Ansiedlung vollkommen aufgegeben. Auch Okrouhlík (= Bauscheibe) und Hadergrund als Ortsteile von Alt-Ohlisch werden nicht mehr bewohnt. Das Gemeindegebiet umfasst nun 14,23 qkm. Bei der Volkszählung am 28.08.2006 zählte man in der politischen Gemeinde Huntírov 728 Einwohner.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Habendorf

Die Gemeinde Habendorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand ausschließlich aus der Ortschaft Habendorf mit dem ehemals einschichtigen Hegerhaus Hinterhof. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 444 ha. Das Gemeindegebiet stieg von knapp 300 m Meereshöhe im Südosten an der Bensener Stadtgrenze bis gegen 500 m im Westen und Norden an. Die Gesamtfläche wurde zu 54 % landwirtschaftlich genutzt, wofür hauptsächlich Lehm- und Lettenboden zur Verfügung standen. 43 % der Fläche war von Wäldern bedeckt. Infolge seiner nahen Lage zur Stadt Bensen war Habendorf zum Wohnort einer größeren Zahl von Arbeitnehmern geworden, die außerhalb der Gemeinde einer Beschäftigung nachgingen. Der Anteil der Erwerbsbevölkerung an der Land- und Forstwirtschaft betrug bis 1945 knapp 33 %, in Industrie und Handwerk waren 40 % und in Handel und Verkehr 13 % der Habendorfer Erwerbstätigen beschäftigt.

Habendorf gehörte seit seiner Gründung zur Stadtpfarrei Mariä Geburt in Bensen und war mit dieser von 1523 bis 1628 lutherisch. Die Matriken sind, wie alle Bensener Kirchenbücher, seit 1581 erhalten. Eine Kapelle St. Peter und Paul befand sich in der Ortsmitte von Habendorf.

Seit dem 16. Jahrhundert ist das Bestehen eines Erbgerichtes nachgewiesen, das jedoch viel älter war. Habendorf wurde vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts im Zuge des deutschen Landausbaues als zweireihiges Waldhufendorf gegründet. 1397 wird der Ort erstmals als „Hawirndorf” urkundlich genannt. Hinsichtlich des Ortsnamens kann mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass er mit der Getreideart Hafer (mundartlich „Haber”) im Zusammenhang steht. Das Herrschaftsurbar von 1629 weist nach, dass von den Habendorfer Bauern an Getreide ausschließlich Hafer als Zins abgeführt wurde.

Die ältesten überlieferten Familiennamen sind: 1511 Micksch, Schymann und Füger; 1546 und 1586 Förster, Lorenz und Lösel. Weiter kommen vor: 1580 Rasche, 1611 Ritschel und Lösel sowie 1614 Paudler. Nach dem Urbar von 1629 trugen die zehn Habendorfer Bauern die Namen Führig, Kern, Böhme, Brockisch, Dörfel, Rehnelt, Riedel und Seidel. Dazu kamen die Gärtner Pietsch und Paudler. 1654 standen 30 Häuser, in denen zehn Bauern, zwei Gärtner und 18 Häusler (auf Gemeindegrund) lebten. In der Steuerrolle von 1654 finden sich die Namen Zumpe, Böhme, Brockisch, Lösel, Rehnelt, Riedel, Dörfel, Führig, Seidl und Paudler. 1713 hatte „Habendorff” 30 Häuser, ein Großteil der Einwohner lebte vom Spinnen. 1787 standen 43 Häuser und 1833 wurden 53 Wohngebäude mit 323 Bewohnern gezählt. 1848 wohnten 442 Menschen im Dorf. Nach den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte Habendorf 315 bzw. 337 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Lorenz, Rehnelt, Dörfel, Neumann, Prautsch, Weigel, Böhm und Braune.

Die tschechische Ortschaft Ovesná (= Habendorf) ist heute in die Stadt Benešov nad Ploucnici (= Bensen am Polzen) eingemeindet. 1961 lebten 99 Einwohner in dem neuen Stadtteil.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Hermersdorf

Die Gemeinde Hermersdorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der Ortschaft Hermersdorf und dem abseits gelegenen Ortsteil „Kleinhermersdorf” oder „Flietelhäusel”. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 757 ha. Hermersdorf liegt in der Talmulde des Erlenbaches. Die Landwirtschaft, die mehr als die Hälfte der Gemeindefläche einnahm, musste zumeist in Hanglage betrieben werden. Hermersdorf liegt im Grenzbereich des Böhmischen Mittelgebirges und des Elbsandsteingebirges. Die Bonität der Ackerflächen ist minder bis gut. 27 % der Bevölkerung lebte noch bis 1939 von der Land- und Forstwirtschaft, in Industrie und Handwerk waren fast 50 % und im Bereich Handel und Verkehr über 8 % beschäftigt.

Hermersdorf ist wahrscheinlich seit seiner Gründung nach Bensen eingepfarrt gewesen und war mit diesem von 1523 bis 1628 lutherisch. Die Matriken sind, wie alle Kirchenbücher von Bensen, seit 1581 erhalten. Die ehemalige Ortsrichterei befand sich jahrhundertelang bis 1848 in den Händen der Familie Schneider auf dem Hof Nr. 5.

Hermersdorf entstand zweifellos in der Frühzeit der deutschen Rodungssiedlung als Waldhufendorf – vermutlich vor 1250. Der Name ist herzuleiten vom Personennamen Hermann, der wahrscheinlich der Lokator des Ortes war. Die früheste bekannte Nennung von Hermersdorf erfolgte 1273 als „Hermanesdorp”, die zweitälteste Urkunde spricht 1409 von „Hermanni villa”. Die ältesten namentlich überlieferten Familien sind 1403 Wagendrisl, 1511 Kreusel und Schühler.

Der Gesamtbestand der Familiennamen ist 1580 erstmals überliefert; damals waren Renger, Hegenbarth, Hoche, Dünnbier, Prosche, Heide, Dörre, Neumann, Schüler, Richter, Schneider und Kunert am stärksten vertreten. Gemäß der Steuerrolle von 1654 hatte Hermersdorf insgesamt 43 Häuser. 1691 lebten laut dem Mannschaftsbuch aus diesem Jahr 360 Personen im Dorf. 1713 sind 34 Wirte bezeugt und zudem 28 Häusler in Gemeindehäusern; der Ort hatte somit zusammen 62 Häuser. 1787 standen 81 Häuser und 1833 waren es 93 Häuser mit 487 Bewohnern. Aufgrund der Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte Hermersdorf nun 712 bzw. 785 deutsche Einwohner. Die mit Abstand häufigsten Familiennamen waren 1934 Heller, Richter, Böhm, Flietel, Frießlich, Schühler, Weber, Hocke, Krombholz, Lorenz, Riedel, Wenzel, Horn, Kunert, Mattausch, Schubert, Seidel und Voigt.

Flietelhäusel
1550 wurde der abseits gelegene Ortsteil Flietelhäusel gegründet – angeblich zwecks Ansiedlung von Bergleuten, die in der Gegend dann vergeblich nach Silber gruben. 1781/82 wird der Ortsteil auch als „Klein-Hermersdorf” bezeichnet. 1833 nennt der Topograph Sommer die „Flütlhäusel” als Ortsteil von Hermersdorf.

Die heutige tschechische politische Gemeinde Hermanov umfasst die Ortschaften Hermanov (= Hermersdorf), Fojtovice (= Voitsdorf) und Blankartice (= Blankersdorf). Am 28.08.2006 lebten 499 Menschen in der gesamten politischen Gemeinde.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Hoch-Dobern

Hoch-Dobern
[ Bilder ansehen ]

Die Gemeinde Hoch-Dobern im Gerichtsbezirk Bensen bestand nach der amtlichen Einteilung lediglich aus der Ortschaft Hoch-Dobern und dem abseits gelegenen Ortsteil „Auf der Folge”. Die Gemeinde nimmt den Südteil einer von Süden nach Norden ansteigenden Hochfläche ein. Das Dorf selbst ist in ein Tal eingebettet, welches in diese Hochfläche in nord-südlicher Richtung eingeschnitten ist. Das Doberner Hochtal mündet gegen Westen mit der wildromantischen Dobrankaschlucht ins Polzental aus. In dieser felsenreichen Schlucht gibt es viele Höhlen. Das ganze Doberner Gebiet besteht aus Basaltgestein und dessen Verwitterungsprodukten, weshalb es sehr fruchtbar ist. Rund 75 % der 642 ha umfassenden Gemeindefläche entfiel auf die Landwirtschaft und 21 % auf Waldungen. Aufgrund seiner günstigen Verkehrslage war Hoch-Dobern kein reines Bauerndorf geblieben, sondern wies bis zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46 auch einen beträchtlichen Anteil gewerblich tätiger Einwohner aus. In der Landwirtschaft waren 20 %, in Industrie und Handwerk knapp 50 % und im Bereich Handel und Verkehr 15 % der Einwohner beschäftigt.

Hoch-Dobern gehörte von seiner Gründung an zunächst zur Pfarrei St. Georg in Güntersdorf und wurde dann von 1486 für 300 Jahre der Stadtpfarrei Mariä Geburt in Bensen angegliedert. Im Jahre 1786 kam es nach längeren Bemühungen wieder zurück zum Sprengel Güntersdorf. Die kirchlichen Eintragungen für Hoch-Dobern sind in den Bensener Kirchenbücher seit 1581 erhalten, ab 1786 fanden die Eintragungen wieder in den Güntersdorfer Büchern statt. Die Doberner Kapelle St. Johannes von Nepomuk wurde 1747 in Fachwerkbauweise errichtet, 1781 vergrößert und 1935 nochmals erweitert.

Es ist anzunehmen, dass in Hoch-Dobern ursprünglich ein Erbgericht bestand. Das älteste erhaltene Doberner Gerichtsbuch beinhaltet Eintragungen von 1589 bis 1719. Von 1850 bis 1892 gehörte das benachbarte Parlosa zur neu gebildeten Gemeinde Dobern und wurde dann selbständig. Der Name Hoch-Dobern wurde erst 1912 eingeführt, weil man Verwechslungen mit der Gemeinde Dobern bei Böhmisch-Leipa vermeiden wollte.

Die Gründung von Dobern erfolgte wahrscheinlich in der Zeit von Ende des 12. Jahrhunderts bis Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Gründung im Jahre 1230 durch schwäbische Siedler ist legendär und es besteht dafür auch kein Nachweis. Eindeutig ist, dass es sich um ein Doppelreihendorf mit Waldhufen handelt und damit eine Dorfanlage ist, die für die deutsche Ostsiedlung des 12. bis 14. Jahrhunderts typisch war. Vermutlich stammt der Ortsname vom 1554 bezeugten Gewässername „Dobrankabach” ab. Die ältesten bekannten urkundlichen Nennungen stammen von 1467 und 1486. Die ältesten überlieferten Familiennamen für Dobern sind 1498 Paudler, 1511 Stolze Sehak, 1527 Jukert Wetzel, 1528 Lorenz Procksch und 1546 Veit Bartel, Andreas und Lorenz Ritschel (genannt als geschoßpflichtige Bauern für die Stadt Bensen). Aus dem Jahre 1583 stammt das älteste erhaltene Besitzerverzeichnis des Ortes. Es gab damals 19 Wirte (Bauern und Gärtner). Diese hießen Parsche, Ritschel, Lorenz, Neumann, Richter, Riedel, Teissig, Dörre, Hackel (früher Sehak), Krebs, Müller, Paudler, Procksch, Schoke und Süssig. Häusler siedelten sich erst ab 1597 an, worunter als einer der ersten ein Martin Fritsche war. 1654 gab es in „Dobra” 19 Bauern, vier Gärtner und 17 Häusler auf Gemeindegrund - zusammen 40 Häuser. Die Namen der Vollbauern (Grundbesitz 13 bis 24 Strich Acker) lauteten damals Riedel, Ritschel, Böhme, Fritsche, Heinze, Lösel, Lorenz, Neumann, Parsche und Prokesch. Die Halbbauern (7 bis 10 Strich Acker) waren Dörre, Hüttl, Parsche, Riedl, Sehack, Tscheschke und Wenzel. Dazu kamen die Gärtner (über 1 bis 7 Strich Acker) Böhm, Broschke, Parsche und Richter.

1713 gab es 24 Wirte und 50 Häusler im Ort, insgesamt somit 74 Häuser. Der größte Teil der Häusler lebte vom Spinnen. Die von 1525 stammende und im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannte Gemeindemühle war zu dieser Zeit wieder in Betrieb genommen worden. Um 1738 sollen die ersten Erdäpfel in Dobern angebaut worden sein. 1787 wurden 101 Häuser gezählt und 1833 standen 154 Häuser, in denen 894 Einwohner lebten. Seinen höchsten Bevölkerungsstand erreichte Dobern mit 1.127 bzw. 1.109 Personen in den Jahren 1850 und 1880; im letztgenannten Jahr hatte Dobern 179 Häuser und 1.064 Einwohner (ohne den Ortsteil „Auf der Folge”). Die häufigsten Familiennamen in Hoch-Dobern waren 1934 Lorenz, Böhm, Krebs, Ritschel, Lösel, Neumann, Dörre, Ahne, Kunert, Weigel, Hanke, Heinze, Kriesche, Kreibich, Knothe, Michel, Portsch, Redlich und Schmidt.

Ortsteil „Auf der Folge”
Der abseits gelegene Ortsteil „Auf der Folge” wurde 1828 gegründet. 1880 gab es dort sieben Häuser, in denen 45 Einwohner lebten.

Die heutige tschechische Gemeinde Dobrná (= Hoch-Dobern) umfasst neben Dobrná selbst auch die Ortschaft Brložec (= Parlosa). 1961 hatten Dobrná 440 und Brložec 60 Einwohner. Bei der Volkszählung am 28.08.2006 lebten in der gesamten Gemeinde 445 Menschen.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Karlsthal

Die Gemeinde Karlsthal im Gerichtsbezirk Bensen bestand ausschließlich aus der Ortschaft Karlsthal. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 350 ha. Das Gemeindegebiet ist im Südwestteil, in dem der Ort liegt, eben und im Nordostteil bergig. Die Wälder, die gut die Hälfte der Gemeinde einnehmen, unterstanden der staatlichen Forstverwaltung in Reichstadt und wurden vom Forstamt in Sandau aus verwaltet; die Aufsicht darüber hatte ein Heger in Karlsthal. Die andere, kleinere Hälfte des Gemeindegebietes wurde landwirtschaftlich genutzt. Karlsthal besaß aufgrund seiner Entstehung durch die Aufteilung des Meierhofes eine überwiegend kleinbäuerliche Struktur. Im Bereich Land- und Forstwirtschaft waren 42 %, in Industrie und Handwerk gut 40 % und im Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr knapp 7 % der Einwohner erwerbstätig. Die meisten Arbeiter hatten ihre Arbeitsplätze in Sandau, Ober-Politz, Bensen und Steinschönau.

Kirchlich gehörte Karlsthal seit seiner Gründung im Jahre 1792 zur Pfarrei St. Wenzel in Klein-Bocken. Mit diesem Zeitpunkt beginnen die gesonderten Eintragungen über Karlsthaler Taufen, Trauungen und Sterbefälle in den Klein-Bockener Matriken, die seit 1713 erhalten sind. Von der Ortsgründung an war Karlsthal zunächst Groß-Bocken angegliedert, hatte aber eine eigene Dorfrichterei. 1849 kam die Ortschaft zur politischen Gemeinde Groß-Bocken und wurde 1914 selbständig.

Die Ortschaft Karlsthal entstand 1792, als die auf dem dortigen Gelände gelegenen Felder des oberen Groß-Bockener Meierhofes der Herrschaft Ober-Politz an Siedler verkauft wurden, nachdem diese bereits einige Jahrzehnte vorher an Klein- und Groß-Bockener Häusler verpachtet gewesen waren. Der Meierhof war etwa gleichzeitig mit der Verselbständigung des Gutes Groß-Bocken im 16. Jahrhundert unter Einbeziehung mehrerer dortiger Bauernhöfe entstanden. Karlsthal steht somit auf Groß-Bockener Bauernland. Im Jahre 1833 hatte der Ort 48 Häuser mit 214 Einwohnern. 1869 gab es schon 67 Häuser mit 356 Einwohnern und 1890 betrug der Bevölkerungsstand 261 ausschließlich deutsche Bewohner. Der Rückgang der Einwohnerzahl war durch die Industrieferne des Ortes entstanden. Die häufigsten Familienamen waren 1934: Janich, Hackel, Hauptmann, Heide, Heller, Mahnel, Müller, Storch, Weishaupt und Wünsch.

Die heutige tschechische Ortschaft Karlovka (= Karlsthal) gehört mit den Ortschaften Velká Bukovina (= Groß-Bocken) und Malá Bukovina (= Klein-Bocken) zur politischen Gemeinde Velká Bukovina. 1961 hatte Karlovka 105 Einwohner. Die gesamte Gemeinde Velká Bukovina hatte am 28.08.2006 genau 410 Einwohner.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Klein-Bocken

Die Gemeinde Klein-Bocken im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der Ortschaft Klein-Bocken mit dem gegen Südosten etwas abgesetzten Ortsteil Wenzelshöhe (oder einfach nur „Höh'” genannt) sowie der kleinen Ortschaft Lerchenthal. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 465 ha. Die Gemeinde nimmt ein leicht hügeliges Gelände ein. Die landwirtschaftlichen Böden sind teils lehmig und recht fruchtbar. Die Gemeindefläche wurde zu 90 % landwirtschaftlich genutzt und nur 7 % waren bewaldet. Auf der „Höh'” befand sich das Gasthaus „Hohe Warte”, dessen Dachterrasse einen umfassenden Rundblick bot. Bis 1945 waren Klein-Bocken und Lerchenthal nahezu rein landwirtschaftlich geblieben. Über 55 % der Einwohner lebten von Land- und Forstwirtschaft und nur 30 % der Bevölkerung war in den Industriebetrieben von Tetschen-Bodenbach, Böhmisch Kamnitz, Bensen und Sandau beschäftigt. 6 % der Einwohner erzielten ihr Einkommen im Wirtschaftsbereich Handel und Verkehr.

Klein-Bocken gehörte ursprünglich zur Stadtpfarrei St. Bartholomäus in Sandau (die aber von 1637 bis 1658 und nochmals von 1682 bis 1924 der Pfarrei in Ober-Politz unterstellt war, ab 1775 allerdings mit einem eigenen Kaplan). Erst 1723 wurde in Klein-Bocken eine eigene Pfarrei eingerichtet, nachdem der Grundherr Benedikt Praschel von Praschenfeld hier eine Kirche erbauen ließ, um den Streitigkeiten wegen seines Patronatsrechtes in Sandau aus dem Wege zu gehen. Der Kirchsprengel umfasste Klein- und Groß-Bocken, ab 1792 auch das damals gegründete Karlsthal sowie Alt-Schokau, das jedoch bald nach 1732 wieder zur Pfarrei Sandau rückgegliedert wurde. Die Matriken sind seit der Einrichtung der Pfarrei im Jahre 1723 vollständig erhalten. Vorherige Eintragungen sind in den Kirchenbüchern von Sandau deshalb nicht zu finden, weil die vorhandenen Matriken Sandaus (mit Ausnahme eines 1939/40 angelegten Inhaltsverzeichnisses, das bis 1683 zurück reicht) erst ab 1763 beginnen. Die Klein-Bockener Pfarrkirche St. Wenzel steht auf der „Höh' ” bzw. der Wenzelshöhe und hat zwei zwiebelförmige Türme.

In alter Zeit hatte Klein-Bocken vermutlich ein Erbgericht mit Schankgerechtigkeit. Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Dorfrichterei befand sich in den letzten Jahrzehnten vor ihrer Auflösung im Jahre 1849 im Haus Nr. 60, das den Hausnamen „Alter Richter” hatte.

Klein-Bocken
Der Ort Klein-Bocken dürfte im 13. Jahrhundert als deutsches Rodungsdorf mit zweireihiger waldhufenförmiger Anlage entstanden sein. Der Ortsname geht zweifellos auf einen vordeutschen Geländenamen zurück, nämlich auf das altslawische „bukowina” für Buchenwald, in welchem die Rodung erfolgte. Die älteste bekannte urkundliche Nennung des Ortes stammt von 1393 und lautet lateinisch „in villa Bukowin minori” (= im Dorf Klein-Bocken). Aus dem 16. Jahrhundert sind folgende Familiennamen überliefert: 1550 Bittner, Heide, Grumbach, Mieke, Pompe, 1554 Weigel und 1570 Fürtig. Laut der Steuerrolle von 1654 standen in „Bokwany Maly” 38 Häuser. Die Namen der Bauern waren Grumbach, Köhler, Patzner, Bittner, Bönisch, Fiedler, Hauptmann, Janich, Kroh, Nemetz, Pompe, Riedel, Ritschel und Wessig (oder Faßig). 1713 standen 48 Häuser, die von 24 Wirten und 24 Häuslern bewohnt waren. Im Jahre 1787 ist Klein-Bocken mit 88 Häusern genannt. 1833 hatte der Ort schon 101 Häuser und 558 Einwohner. 1857 wurde mit 590 Einwohnern der höchste Bevölkerungsstand erreicht. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden in Klein-Bocken 533 bzw. 526 durchwegs deutsche Bewohner festgestellt. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Ahne, Janich, Schiffner, Heller, Pompe, Wagner, Heide, Köhler und Patzner.

Meierhof Klein-Bocken
Vermutlich war dies ein Nebenhof des Gutes Groß-Bocken und wahrscheinlich im 16. Jahrhundert aus dem alten Schenkergut entstanden. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Flächen zum Kirchengut umgewandelt, das etwas mehr als 30 ha Acker umfasste.

Lerchenthal
Seit dem Jahre 1795 entwickelte sich der Ort Lerchenthal. Erster Ansiedler war ein aus Schönhübel bei Schönlinde (Kreis Rumburg) stammender Arzt namens Anton Eiselt. In den Jahren 1797 bis 1807 folgten ihm als weitere Ansiedler Franz Knappe, Franz Heller und Josef Weishaupt. Nachdem die Ortschaft zunächst „Neubocken” genannt wurde, erhielt sie 1807 den Namen Lerchtenthal. Der Name könnte vom benachbarten Lerchenberg oder von Lörichenthal (= dem Lorischen Gut) übertragen worden sein. 1833 waren neun Häuser mit 29 Einwohnern vorhanden. Der einzige in Lerchenthal mehrfach vorkommende Familienname war 1934 Heller.

Die heutige tschechische politische Gemeinde Malá Bukovina (= Klein-Bocken) hatte im Jahre 1961 160 Einwohner und gehört heute zusammen mit Karlovka (= Karlsthal) und Velká Bukovina (= Großbocken) zur politischen Gemeinde Velká Bukovina.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Klein-Schokau

Die Gemeinde Klein-Schokau im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der Ortschaft Klein-Schokau mit der Kaisermühle sowie dem 1 km südwestlich gelegenen Ortsteil Triesch. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 137 ha; damit war Klein-Schokau die flächenmäßig kleinste Gemeinde des Kreises Tetschen. Das Gemeindegebiet wurde zu 80 % landwirtschaftlich genutzt. Nur 15 % entfielen auf Waldflächen. Bei seiner Gründung 1833 ist Klein-Schokau verständlicherweise kein Bauerndorf gewesen, sondern wurde als Siedlung von Häuslern mit etwas landwirtschaftlicher Fläche angelegt. So lebten bis 1945 auch nur rund 7 % der Einwohner von der Land- und Forstwirtschaft, 66 % aber von Industrie und Handwerk und 10 % von Handel und Verkehr. Die Arbeiter fuhren größtenteils in die Industriebetriebe von Sandau, Ober-Politz, Franzenthal, Bensen und Tetschen zur Arbeit.

Kirchlich gehörte Klein-Schokau seit jeher zur Pfarrei St. Bartholomäus der Stadt Sandau. Zeitweise, während der Meierhofzeit und nach der Wiedergründung 1833, war es wahrscheinlich der Pfarrei in Mertendorf zugeteilt. Die Matriken beginnen 1785 (Mertendorf) bzw. 1763 (Sandau). Im Jahre 1849 wurde Klein-Schokau zunächst der Gemeinde Mertendorf angegliedert, wurde aber schon 1884 politisch selbständig.

Die älteste Geschichte von Klein-Schokau ist die gleiche wie die von Alt-Schokau, da es vom 13. Jahrhundert bis Anfang des 15. Jahrhunderts nur einen einzigen Ort Schokau gab, der teils am rechten und teils am linken Ufer des Polzenflusses lag und insgesamt 16 Bauernhöfe umfasste. Zur Erklärung des Ortsnamens spricht viel dafür, dass beim deutschen Ortsausbau im 13. Jahrhundert ein vordeutscher Ortsname übernommen wurde, der von einem Personennamen „Schoke” oder ähnlich abgeleitet wurde. Die acht Höfe links des Polzen auf dem Gebiet des späteren Klein-Schokau wurden von der Grundherrschaft aufgekauft und an ihrer Stelle der Meierhof Schokau errichtet, der rund 200 Jahre lang bestand. Im Jahre 1833 war dem Herrschaftsbesitzer, dem Auschaer Apotheker Ignatz Piller, die Genehmigung erteilt worden, den Meierhof Schokau zu zerteilen und auf den Gründen ein Dorf anzulegen. Obwohl ursprünglich nur der Bau von 20 Häusern geplant war (daher der Name Klein-Schokau), standen 1836 bereits 30 und 1850 sogar 48 Häuser. Im 19. Jahrhundert überflügelte Klein-Schokau mit seiner Einwohnerzahl den Schwesternort Alt-Schokau, weil es günstigere Baugrundstücke und damit bessere Erweiterungsmöglichkeiten bot und auch eine bessere Verkehrslage an der Staatsstraße hatte. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden 512 bzw. 449 durchwegs deutsche Einwohner festgestellt. Nach 1900 sank die Bevölkerungszahl etwas ab.

Die häufigsten Familiennamen in Klein-Schokau waren 1934 Bittner, Janich, Müller, Storch, Anton, Gautsch, Krolop, Scheffel und Wolf.

Triesch
Dieser Ortsteil scheint ebenso wie die Ortschaft Klein-Schokau erst nach der Meierhofauflösung nach 1830 entstanden zu sein. Der Ortsname geht auf einen bestimmten landwirtschaftlichen Nutzungsturnus zurück, der für die flußabwärts vom Meierhof gelegenen Felder früher angewandt wurde: Trieschfelder sind nicht alljährlich anbaufähige Felder. In den Jahren 1910 und 1930 hatte Triesch zwei Häuser mit 23 bzw. 17 Einwohnern.

Die tschechische Ortschaft Malý Šachov (= Klein-Schokau) bildet heute zusammen mit der Ortschaft Starý Šachov (= Alt-Schokau) die politische Gemeinde Starý Šachov. 1961 lebten 382 Einwohner in der Gemeinde, davon 260 in Malý Šachov. Bei der Einwohnerzählung am 28.08.2006 wurden für die gesamte Gemeinde Starý Šachov 198 Bewohner erfasst.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Klein-Wöhlen

Klein-Wöhlen: Höflitz   Klein-Wöhlen: Höflitz, Baumwollspinnerei Elisenthal
[ Bilder ansehen ]

Die Gemeinde Klein-Wöhlen im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus den Ortschaften Klein-Wöhlen, Höflitz und Zautig. Zu Höflitz gehörte der Ortsteil Elisenthal, zu Klein-Wöhlen die Ortsteile Berghäuser, Bober, Josefsthal und Schimmelwächter sowie die beiden einschichtig gelegenen Bahnwärterhäuser „Beim Hauk” und „Beim Heinel”. Elisenthal und Josefsthal entstanden durch Industrieansiedlungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Das 502 ha große Gemeindegebiet (davon entfielen auf Klein-Wöhlen 190 ha, auf Höflitz 160 ha und auf Zautig 152 ha) ist mit Ausnahme der Niederungen am Polzenfluss bergig. Der ganze Raum um Klein-Wöhlen, Höflitz und Zautig ist vulkanischen Ursprungs wie die zahlreichen Lavaschichten und die vulkanischen Schlote (Eichberg, Maschkenberg, Laskenwand) erkennen lassen, die durch den Einschnitt des Polzentales freigelegt worden sind. 58 % der Gemeindeflächen wurden landwirtschaftlich genutzt und 36 % waren von Wald bedeckt. Alle drei zur Gemeinde Klein-Wöhlen gehörenden Ortschaften waren seit ihrer Gründung fast ausschließlich Kleinbauernsiedlungen mit jeweils wenigen Hofstellen. Der Anteil der von Land- und Forstwirtschaft lebenden Bevölkerung lag bei 14 %, in Industrie und Handwerk waren knapp 50 % und im Bereich Handel und Verkehr fast 20 % der Einwohner beschäftigt. Auch innerhalb der Gemeinde gab es eine Reihe von Industriebetrieben, aber viele Arbeiter fuhren auch nach Tetschen, Bodenbach, Bensen und Neschwitz zur Arbeit.

Kirchlich gehörte Klein-Wöhlen stets zur Pfarrei des zu Klein-Wöhlen gehörenden Ortsteiles Höflitz. Wann die Pfarrei Höflitz gegründet wurde, ist nicht feststellbar. Einer alten Inschrift in der Kirche zufolge, wurde „anno 1234 das Gotteshaus erigiert”. Vermutlich ist die Pfarrei älter als die nahe Stadt Bensen, die um 1250 gegründet wurde. Die früheste urkundliche Nennung der Pfarrei Höflitz datiert von 1352. Sie hieß damals „Hewlin sive Jedika” und scheint aufgrund des hohen zu zahlenden Papstzehents eine große Pfarrei gewesen zu sein. Spätestens seit dem 14. Jahrhundert umfasste der Pfarrsprengel aber nur mehr die Ortschaften Höflitz, Klein-Wöhlen, Zautig und Groß-Wöhlen. Der im 19. Jahrhundert entstandene Ortsteil „Nusshackerdörfel” von Groß-Wöhlen gehörte zum Sprengel Neschwitz, der Klein-Wöhlener Ortsteil Josefstal seit 1856 zum Sprengel Bensen. Die Matriken für den Pfarrsprengel sind seit 1672 erhalten. Frühere Eintragungen finden sich seit 1628 in den Bensener Kirchenbüchern. Die Höflitzer Pfarrkirche St. Anna wurde 1716 barockisiert.

In alter Zeit bestanden für Höflitz mit Zautig und für Klein-Wöhlen je ein Erbgericht. Im Urbar von 1607 sind sie als „freie Gerichte” bezeichnet. Alle drei Ortschaften hatten eine deutschrechtliche Verfassung. Von den 1480 und 1607 begonnenen Schöppenbüchern haben sich nur Teile und die Deckel erhalten. Dagegen ist das 1679 begonnene Grundbuch vollständig erhalten. Die frühesten nachgewiesenen Erbrichter in Höflitz sind Paul Richter (1547), Lorenz Kleinpeter (1600) und Bartel Kusebauch (1636). Im Jahr 1849 wurden Klein-Wöhlen, Höflitz und Zautig zur politischen Gemeinde Klein-Wöhlen zusammengefasst.

Klein-Wöhlen
Die Anfänge Klein-Wöhlens liegen allem Anschein nach in vordeutscher Zeit. Darauf deutet u.a. der Ortsname Wöhlen (früher Wehlen) hin. Der Ortsname dürfte von einem altslawischen Personennamen „Velen” abgeleitet worden sein. Die ältesten Nachweise finden sich in der tschechisch geführten Landtafel von 1543 (für 1515) mit „w Male Weleni”. 1583 nennt ein Salhausenvertrag 13 Häuser in Klein-Wöhlen. Im ältesten Urbar von 1607 heißt der Ort „Kleinwelen”. Die Namen der Bauern waren 1607: Riedel, Böhm, Kleinpeter, Krebs, Laube, Richter und Schwarzer, die Namen der Gärtner lauteten: Böhm, Limpach, Weigel und Wenzel. 1635 kamen noch die Namen Lorenz und Schimmel hinzu. 1654 standen 18 Häuser in „Wehlen mala”. Die Bauern und Gärtner hießen Zaschke, Lorenz, Kleinpeter, Richter, Schimmel und Sehackel. 1681 wurde das Scharfenstein`sche Herrschaftsamt nach Klein-Wöhlen verlegt und fast zeitgleich ein Bräuhaus mit 300 Fass Ausstoß (= 700 hl) errichtet. 1713 sind 23 Häuser angegeben. Die Namen der Wirte und Häusler lauteten Zaschke, Lorenz, Kleinpeter, Richter, Schimmel und Sehackel. Für 1787 sind 48 Hausnummern verzeichnet und 1833 gab es 57 Häuser mit 302 Einwohnern. Die Errichtung der Baumwollspinnerei Josef Pietschmann brachte 1841 einen sichtlichen Aufschwung. Gemäß den Volkszählungen von 1869 und 1890 hatte Klein-Wöhlen 434 bzw. 481 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Böhm, Lorenz, Schimmel, Hampl, Krombholz, Rasche, Kretschmer, Kusebauch und Zaschke.

Höflitz
Bei Höflitz sind zwei Gründungsvorgänge zu unterscheiden: 1. Ein wahrscheinlich älterer altslawischer Weiler aus dem 11. oder 12. Jahrhundert mit der Bezeichnung „Jedlka”, was soviel wie „Tannicht” bedeutete. Dieser Weiler soll eine Wege- und Waldaufsichtsstation der Gaugrafschaft Tetschen gewesen sein. 2. Entstand das spätere Höflitz wahrscheinlich im 13. Jahrhundert durch eine deutsche Ansiedlung, die den Namen „Hewlin” trug. Bereits im frühen 13. Jahrhundert scheint das ältere Jedlka mit dem „Hewlin” vereinigt und vergrößert worden zu sein, wobei gleichzeitig eine rein deutschrechtliche Dorforganisation entstand. Die ältesten nachweisbaren Familiennamen sind seit 1500 Seidl, seit 1547 Richter, seit 1580 Knorre, seit 1583 Müller, seit 1590 Riedel und seit 1600 Kleinpeter. Im Urbar der Herrschaft Scharfenstein von 1607 lauten die Namen der Bauern und des einzigen Gärtners Kleinpeter, Knorre, Kunert, Prosche, Riedel, Zaschke, Richter und Kunert. 1654 standen neun Häuser und 1713 gab es in „Höfflitz” neun Wirte mit den Familiennamen Kusebauch, Krombholz, Böhm, Tietz und Lorenz. Für 1787 sind 12 Hausnummern registriert und 1833 lebten 93 Personen in 15 Häusern. 1851 bis 1854 wurde eine Baumwollspinnerei der Fa. Münzberg gegründet und der dort neu entstehende Ortsteil Elisenthal (nach Elisabeth Lutz, der dritten Frau von Fabrikant Johann Münzberg) benannt. Die Bevölkerungszahl von Höflitz entwickelte sich von 137 Einwohnern im Jahre 1869 über 237 Einwohner im Jahre 1890 bis 412 Einwohner als Höchststand im Jahr 1930. Die häufigsten Familiennamen in Höflitz waren 1934 Böhm, Bendel, Lorenz, Ritschel und Schimmel.

Zautig
Auch für Zautig muss mit einem Rodungsversuch in der (tschechischen) Burgmannenzeit, also im 11. und 12. Jahrhundert, gerechnet werden, welcher dem deutschen Ausbau vorausging. Zur Erklärung des Namens Zautig müssen zwei Möglichkeiten ins Auge gefasst werden: das slawische Wort „souteska” (= Schlucht oder Klamm). Die andere Möglichkeit knüpft an das slawische Wort „suchy” (= trocken) an. Erstmals wird der Ort in der Landtafel 1543 (für 1515) genannt in der Namensform „w Sautieskach vsi cele” (= in Zautig das ganze Dorf). Der am frühesten in Zautig belegbare Familienname ist Zaschke ab 1496. 1583 gab es acht Häuser im Dorf und 1607 waren es neun Häuser; die Familiennamen der Bauern lauteten 1607 Flache, Kunert, Kusebauch, Riedel, Zaschke (oder Zeischke) und Strosche. Die Namen der Gärtner waren Feller und Knorre, der einzige Häusler im Ort hieß Beier. Der Name Böhm kam erst 1620 nach Zautig. Der Kataster von 1713 weist acht Wirte mit den folgenden Namen aus: Riedel, Prosche, Böhm, Feller und Zaschke. 1787 hatte Zautig 21 Häuser und 1833 lebten 155 Einwohner in 27 Häusern. Die Volkszählungen von 1869 und 1890 ergaben 215 bzw. 214 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen in Zautig waren 1934 Zaschke, Böhm, Dörre, Scherz und Wagner.

Die heutige tschechische Gemeinde Malá Velen (= Klein-Wöhlen) besteht wiederum aus den Ortschaften Malá Velen, Jedlka (= Höflitz) und Soutesky (= Zautig). 1961 hatte die Gemeinde 601 Einwohner, davon 237 in Malá Velen, 223 in Jedlka und 141 in Soutesky. Am 28.08.2006 hatte die politische Gemeinde Malá Velen 445 Bewohner.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Mertendorf

Die Gemeinde Mertendorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand aus der Ortschaft Mertendorf und den Einschichten „Teichel” und „Hutberghaus”. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 825 ha. Mertendorf liegt im Triebschbachtal, das durch Berge und Höhen eingerahmt ist. Bekannt ist der Steinberg mit seinem Quell „Eisborn”, der auch im Sommer nur fünf Grad Celsius erreicht sowie durch die dort am Nordhang liegenden Eislöcher. Mertendorf war bis 1945 ein Bauerndorf ohne jegliche Industrie. Dies zeigte sich vor allem am hohen Anteil der von Land- und Forstwirtschaft lebenden Bevölkerung mit 42 %. Industrie und Handwerk hatten einen Anteil von 35 % und Handel und Verkehr von 8 %. Einen guten Ruf hatte die handwerkliche Musikinstrumentenerzeugung von Stephan Storch.

Die Nachrichten über die Pfarrei Mertendorf beginnen mit dem Jahre 1352, wo die erste Nennung in den Papstzehentregistern erfolgte. Nach der lutherischen Epoche von 1530 bis 1624 wurde die Pfarrei über 150 Jahre von der Pfarrei Algersdorf betreut und bekam erst 1787 wieder den Status einer Lokalie zugebilligt. Seit 1855 bestand eine selbständige Pfarrei, die auch die Ortschaft Groß-Jober im Gerichtsbezirk Auscha einbezog. Sämtliche Matriken sind seit 1785 erhalten. Ältere Eintragungen von 1610 bis 1624 und seit 1645 finden sich in den Algersdorfer Kirchenbüchern. Die 1708/09 erbaute Pfarrkirche St. Katharina verfiel nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46 und wurde 1975 abgerissen. Vor 1850 besaß Mertendorf ein eigenes Dorfgericht, das ursprünglich ein Erbgericht war. Ein Schöppenbuch ist ab 1569 erhalten. Seit 1849 gehörte zur Gemeinde Mertendorf auch Klein-Schokau bis zu dessen politischer Selbständigkeit 1888.

Mertendorf ist ein deutsches Waldhufendorf, das wahrscheinlich im 13. Jahrhundert angelegt worden ist. Der Ortsname dürfte auf einen Personennamen „Merbod” oder „Mervod” o.ä. lauten. Die ältesten urkundlichen Nennungen des Ortes sind die lateinischen Papstzehentregister, die 1352 mit „Merbotonis villa” beginnen. Von 1569 sind die Familiennamen Möser, Flegel, Rieße, Behme, Klein, Strobach, Bartsch, Böse, Ernst, Glanz, Heller, Hirsch, Krombholz, Lange, Mengemann, Mentschel, Muldner, Pöchel, Regenermelt, Ringelhan, Ritschel, Tuche, Wagner, Weiße und Weißheit erhalten. Gemäß der Steuerrolle von 1654 hatte Mertendorf 68 Häuser. Die überlieferten Namen der Bauern sind Hegenbart, Heikel, Heller, Illmann, Lindner, Litze, Lösel, Manschel, Möser, Patzke, Röllig und Rösler. Der ungewöhnliche Namenswechsel gegenüber 1569 dürfte auf die Verheerungen im Dreißigjährigen Krieg zurückzuführen sein. 1713 standen 113 Häuser. 1778 zog sechs Tage lang ein preußischer Armeetross auf seinem Rückmarsch durch Mertendorf und richtete durch das Vernichten von hunderten Proviant- und Munitionswagen beträchtlichen Schaden an. 1787 hatte der Ort 168 Häuser. 1833 waren es 179 Häuser mit 948 Einwohnern. Bei den Volkszählungen von 1857 und 1890 hatte Mertendorf 1.085 bzw. 985 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Möser, Storch, Böhm, Dowiasch, Heller, Röllig, Rösler, Lösel, Fiedler, Franze, Peißig, Bartsch, Hößler, Kaufluß, Ringelhan, Schneider und Weigel.

Die heutige tschechische Gemeinde Merboltice (= Mertendorf) hatte im Jahre 1961 269 Bewohner, am 28.08.2006 waren es 152 Einwohner.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Nieder-Ebersdorf

Die Gemeinde Nieder-Ebersdorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand ausschließlich aus der Ortschaft Nieder-Ebersdorf. Die Gesamtfläche betrug 557 ha bzw. nach Abtretung eines Waldgebietes nahe der Gemeindegrenze an Parlosa 427 ha. Das Gemeindegebiet ist leicht bergig und wird vom Absbach in eine nordwestliche und eine südöstliche Hälfte geteilt. Vom Talgrund, in welchem die Ortschaft liegt, steigt das Gelände rechts des Baches zu den Abhängen des Amselberges und des Doberner Berges bis über 400 m an, links des Baches nahe bei den Gipfeln des Bockenberges und des Fuchsberges bis gegen 400 m. Auf beiden Talseiten zogen sich die landwirtschaftlich genutzten Flurstreifen weit hinauf auf die Höhen. Der gute Löß- und Lehmboden wurde nur auf den Gipfeln von Basalt durchbrochen. 1939 lebten knapp 20 % der Bevölkerung von Land- und Forstwirtschaft, 42 % aber von Industrie und Handwerk sowie 18 % von Handel und Verkehr.

Nieder-Ebersdorf gehörte von seiner Gründung an stets zur Stadtpfarrei Mariä Geburt in Bensen. Die Matriken sind wie alle Bensner Kirchenbücher seit 1581 vollständig erhalten. Mit der Stadtpfarrei von Bensen war Nieder-Ebersdorf von 1523 bis 1628 und von 1639 bis 1648 lutherisch. Die Kapelle im Ort, ein Steinbau mit schlankem Zwiebelturm aus Holz, war vermutlich der Hl. Rosa von Lima geweiht, da an deren Namenfest am 30. August der Gelöbnistag abgehalten wurde. Ungeklärt ist, ob Nieder-Ebersdorf in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens ein eigenes Erbgericht hatte oder ob es zum Erbgericht in Ober-Ebersdorf gehörte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg besaß der Ort einen Dorfrichter, vielleicht sogar (wegen zweier Herrschaftszugehörigkeiten) zwei Ortsgerichte mit jeweils einem eigenen Richter.

Nieder-Ebersdorf ist in der Frühzeit der deutschen Rodung im Tetschner Raum um 1230 als zweireihiges Waldhufendorf gegründet worden und war offenbar eines der ersten Dörfer, welche die Versorgung der ebenfalls zu dieser Zeit entstandenen Stadt Bensen sicherzustellen hatten. Nicht geklärt ist, ob Nieder- und Ober-Ebersdorf aus einer Siedlungseinheit hervorgegangen sind. Der Ortsname entstand zweifellos aus dem Personennamen „Eberhard”. Den frühesten urkundlichen Nachweis des Dorfes bietet eine Urkunde von 1281, die den Grundherrn „Jesseko de Michelsberg in villa Euerhardesdorf” erwähnt. 1380 und 1466 wird es im Kamnitzer Stadtbuch „Ebirstorff” genannt. Der älteste nachgewiesene Personenname ist im Jahre 1380 „Erich der Richter” und der älteste Familienname 1466 „Swarcz” (allerdings ist nicht unterscheidbar, ob diese in Nieder- oder Ober-Ebersdorf vorkamen). Eindeutig lokalisierbar sind für 1528 die Namen Dörfel, Fiebiger, Lorenz und Renner, sowie für 1558 Lösel, Riedel und Wagner, für 1570 Gorge und Heide, für 1584 Mattel und für 1616 Hauptmann. 1654 standen 48 Häuser im Ort. Die Namen der in der Steuerrolle von 1654 aufgelisteten Bauern lauteten Weber, Hauptmann, Wenzel, Fiebiger, Lösel und Lorenz; die Gärtner hießen Böhm, Knechtel und Thorne (?). Sechs der Bauern waren von alters her „Geschossbauern”, d.h. sie mussten mit ihrem Zugvieh den Bedarf der Bensener Bürger an Transportleistungen decken.

1713 war Nieder-Ebersdorf auf 51 Häuser angewachsen und die Bauern hießen Wenzel, Weber, Hauptmann, Hegenbart, Schieffner und Storch. 1787 ist das Dorf mit 86 Hausnummern verzeichnet, wovon neben dem zur Herrschaft Scharfenstein gehörenden Teil auch eine Reihe von Häusern zur Herrschaft nach Binsdorf gehörte. 1833 zählten zu Nieder-Ebersdorf 67 Häuser (mit den zu Binsdorf zählenden 110) und 347 (mit den Binsdorf zugehörigen 570) Einwohner. Etwa um 1800 herum entstand der Ortsteil „Weberdörfel”. 1869 hatte Nieder-Ebersdorf 726 und 1890 863 Einwohner. Den Bevölkerungshöchststand hatte die Gemeinde im Jahre 1910 mit 1.027 durchwegs deutschen Bewohnern erreicht. Der Grund des starken Anstiegs lag in der industriellen Entwicklung in Bensen und im nahen Franzenthal. Die häufigsten Familiennamen in Nieder-Ebersdorf waren 1934 Böhm, Schiffner bzw. Schiefner, Wenzel, Fürtig, Richter, Neumann, Schellman, Seidel, Hauptmann, Hegenbart, Hoche, Michel, Riedel, Starch bzw. Storch oder Störch, Schübler, Fiedler, Pompe, Ritschel, Altnickel, Bendel, Brosche bzw. Prosche, Dörre, Kaiser, Kannel, Klügel, Philipp, Wagner, Heller, John, Knechtel, Kriesche, Lorenz, Möser, Rösler, Theißig, Thöner, Weigel und Weiner.

Kranachshof
1528 kaufte Hans Knobloch von Warnsdorf den Grundherren von Salhausen vier Bauern mit deren Gütern ab, die 1629 nach mehrmaligen Besitzwechseln an Friedrich von Kranach und von ihm weiter an viele nachfolgende Besitzer gelangten. Der kleine Rittersitz wurde Kranachshof genannt.

Kranachsdorf
Kranachsdorf wurde 1785 gegründet, als die Meierhoffelder des „Kranachshofes”, der zur Herrschaft Clary in Binsdorf gehörte, parzelliert und verkauft wurden. Es entstanden fünf Ortsteile, deren Benennungen bis 1945 gebräuchlich waren: (1) „Im Hofe”, wo die Ansiedler Böhm, Dörre, Klügel, Kunert, Prosche und Weber je acht Strich Wirtschaftsfläche für die Hausnummern 1 bis 6 erhielten. Dann (2) „Breite Wiese” mit den Nummern 7 bis 23; hier siedelten je zwei Störch und Weigel, ferner Bittner, Dörre, Ems, Fürtig, Hame, John, Klügel, Lieht, Rosch und Weber an. (3) „Scheibe” mit den Nummern 25 bis 36 (außer 30), wo sich Klügel, Böhm, Fiedler, Frießlich, Püsche, Schneider und Störch ansiedelten. (4) „Teichwiese” umfasste die Häuser 30, 45 bis 47 und 49 und war an die Familien Dörre, Prosche, Weber und Wenzel vergeben. (5) „Hofwiese” erhielt die Nummern 37 bis 43 (ohne 39 und 41), u.a. wurden dort die Familien Eiselt, Ringel und Weber ansässig. 1833 hatte Kranachsdorf 44 Häuser und 201 Einwohner. Bis 1880 entstanden zwei weitere Wohngebäude. 1869 hatte der Ort 231 Einwohner, 1890 249 Bewohner und 1910 262 durchwegs deutsche Einwohner. Durch die vollständige Eingliederung in die Ortschaft Nieder-Ebersdorf im Jahre 1912 enden die gesonderten Aufzeichnungen mit diesem Jahr.

Strohhof
Der 1496 entstandene Rittersitz „Strohhof” rechts vom Absbach hatte einen zugehörigen Meierhof, der die Wirtschaftsfläche von drei aufgelassenen Bauernhöfen umfasste. Der Meierhof entstand 1682 durch die von Graf Johann Clary-Aldringen aus dem Rittersitz veranlasste Umgestaltung. Die Gebäude des Meierhofes wurden aber 1805 großteils abgebrochen.

Die heutige tschechische Gemeinde Dolní Habartice (= Nieder-Ebersdorf) hat den gleichen Gebietsumfang wie die deutsche Gemeinde bis 1945. 1961 lebten 690 Einwohner dort. Bei der Volkszählung am 28.08.2006 wurden 542 Menschen in der Gemeinde erfasst.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Ober-Ebersdorf

Ober-Ebersdorf: Mühle, Fürtigs Gasthaus, Schule, Kirche   Ober-Ebersdorf: Friedhof
[ Bilder ansehen ]

Die Gemeinde Ober-Ebersdorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand ausschließlich aus der Ortschaft Ober-Ebersdorf. Die Gesamtfläche betrug 726 ha. Das Gemeindegebiet wird vom Absbach in eine nordwestliche und eine südöstliche Hälfte geteilt. In der ersteren steigt das Gelände an den Hängen des Parlosaberges bis rund 450 m an, in der letzteren nahe dem Bockenberg bis auf rund 400 m Meereshöhe. Beiderseits des Absbaches ziehen die Flurstreifen weit hinauf auf die Höhen. Es überwiegt schwerer Lehmboden neben Löß. Lediglich die höchstgelegenen Felder sind steinig und an einigen Stellen kommt Basalt an die Oberfläche. Gut 70 % der Gemeindefläche diente landwirtschaftlicher Nutzung und gut 20 % war bewaldet. Ober-Ebersdorf war im wesentlichen bis 1945 ein Bauerndorf geblieben; sehr bedeutend war die Schweinezucht, aber auch Obstbau wurde betrieben. 27 % der Einwohner lebten 1939 noch von der Land- und Forstwirtschaft, 35 % von Industrie und Handwerk und knapp 22 % von Handel und Verkehr.

Der Ort gehörte seit seiner Gründung zur Stadtpfarrei Mariä Geburt in Bensen und war mit dieser von 1523 bis 1628 lutherisch. 1787 wurde Ober-Ebersdorf eine Expositur der Bensner Pfarrei. 1858 wurde sie zur selbständigen Pfarrei erhoben. Die Matriken sind seit 1784 erhalten; ältere Eintragungen finden sich in den seit 1581 geführten Bensener Kirchenbüchern. Die kleine Kirche, die dem Hl. Johannes der Täufer geweiht war, wurde 1745 bis 1754 an der Stelle einer Ortskapelle (die aus dem Jahre 1730 stammte) erbaut. 1788 übernahm die Kirche die Glocken der Marienkapelle bei Aussig. Das Kamnitzer Stadtbuch bezeugt für das Jahr 1380 „Erich der Richter in Ebirsdorf”. Ob der Bereich des Erbrichters allein Ober-Ebersdorf oder auch Nieder-Ebersdorf mit umfasste, läßt sich nicht eindeutig feststellen. Seit dem 16. Jahrhundert besaßen die beiden benachbarten Orte sicher eigene Dorfrichter, da sie verschiedenen Herrschaften angehörten.

Ober-Ebersdorf ist wahrscheinlich in der Frühzeit der deutschen Rodung im Tetschner Raum etwa Mitte des 13. Jahrhunderts als zweireihiges Waldhufendorf gegründet worden. Ob es zusammen mit Nieder-Ebersdorf aus einer Siedlungseinheit entstand, ist ungeklärt. Der Ortsname enthält in abgeschliffener Form den Personennamen „Eberhard”. Im 15. Jahrhundert entstand der Rittersitz „Weißer Hof”, der von der Herrschaft Scharfenstein als Unterlehen an die Familie von Schönfeld vergeben wurde. Der älteste Familienname lautet „Swarcz” und stammt aus dem Jahre 1466 (wobei nicht unterscheidbar ist, ob der Name in Ober- oder Nieder-Ebersdorf vorkam).

Eindeutig in Ober-Ebersdorf ansässig waren 1570 Weigel, Ende 16. Jh. Hauptmann, 1617 Parsche, 1636 Hackel und Knechtel, 1638 Philipp und 1640 Hiekel. Nach der Steuerrolle von 1654 gab es 53 Häuser im Ort; die Namen der Bauern waren Störch bzw. Starch, Hackel, Bendel, Drechsel, Fleckel, Gautsch, Großer, Hauptmann, Jahnel, Knechtel, Neumann, Parsche, Philipp, Ringel, Schwarzer, Tutte und Walter. Von 1678 ist bekannt, dass ein Georg Parsche nach Amerika auswanderte – er dürfte der erste aus dem Tetschner Gebiet stammende Deutsch-Amerikaner gewesen sein. 1713 hatte Ober-Ebersdorf schon 95 Häuser. Bei den Bauern kamen zum Unterschied von der Steuerrolle die Namen Drechsel, Fleckel, Großer, Parsche, Tutte und Walter nicht mehr vor, während die Namen Böhme, Heinz, Prosche und Tröschel neu hinzugekommen waren. 1787 wurden 157 Häuser registriert und 1833 lebten 1.086 Einwohner in 180 Häusern. Nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1869 und 1890 hatte Ober-Ebersdorf 1.107 bzw. 1.023 Einwohner. Wegen der fehlenden Industrie nahm die Zahl dann aber ab. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Gautsch, Fürtig, Rehnelt, Starch, Knechtel, Parsch, Böhm, Kromer, Philipp, Wenzel, Dörre, Franz, Hegenbart, Hiekel, Jahnel, Knothe, Schiffner bzw. Schiefner, Schimmel, Schneider, Tröschel, Beitler, Bendel, Hauptmann, Kühnel, Pompe, Prosche, Richter, Riedel und Schieche.

Rittersitz Weißer Hof mit Meierhof
Der Weiße Hof entstand im 15. Jahrhundert, als Ober-Ebersdorf von der Herrschaft Scharfenstein als Unterlehen an die Familie von Schönfeld vergeben wurde. Als das Unterlehen 1495 wieder an die Herrschaft zurückfiel, wurde der Weiße Hof mit den dazugehörigen Untertanen als eigenständiges Teilgut weiter verwaltet. Friedrich von Salhausen der Ältere errichtete 1546 ein neues Herrenhaus - das „Ebersdorfer Schlössel”. 1772 wurden mehrere Grundstücke verkauft und ab 1784 der größte Teil der Hofflächen verpachtet. 1781/82 war der „Nieder oder Weiße Hof” noch verzeichnet, doch 1805 wurden die baufälligen Meierhofgebäude abgerissen. Das „Schlössel” wurde 1820 verkauft und bestand bis 1945 als Gasthaus.

Die heutige tschechische Gemeinde Horní Habartice (= Ober-Ebersdorf) hatte 1961 genau 554 Bewohner. Am 28.08.2006 waren es nur noch 396 Einwohner.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Parlosa

Parlosa   Parlosa
[ Bilder ansehen ]

Die Gemeinde Parlosa im Gerichtsbezirk Bensen bestand ausschließlich aus der Ortschaft Parlosa. Die früher auf dem Gemeindegebiet gelegene Schäferei Rilkenberg war bereits 1784 aufgelassen und 1870 abgetragen worden. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 241 ha. Das Gemeindegebiet wird von einem großen Teil der Parlosaer Hochfläche eingenommen. Im Süden der Gemeinde steigt das Gelände bis zu dem an der Gemeindegrenze gelegenen Dobernberg (534 m) an, im Norden sinkt es bis auf 320 m Meereshöhe ab, jedoch sind dort das Kreuzbergel (498 m) und der Rilkenberg (443 m) deutliche Erhebungen. Rund 55 % der Gemeindefläche wurden landwirtschaftlich genutzt und 40 % war bewaldet. Parlosa hatte sich bis 1945 als reines Bauerndorf erhalten, denn über 50 % der Bevölkerung lebte noch von Land- und Forstwirtschaft, 27 % waren im Wirtschaftsbereich Industrie und Handwerk und 11 % in Handel und Verkehr tätig.

Parlosa gehörte seit seiner Gründung zum Sprengel der Pfarrei St. Georg in Güntersdorf und kam mit dieser nach dem 30-jährigen Krieg bis 1725 zur Pfarrei St. Martin in Markersdorf. Die Matriken für Parlosa sind wie alle Güntersdorfer Kirchenbücher seit 1602 (Trauungsmatriken) bzw. 1616 (Tauf- und Sterbematriken) erhalten. In der Frühzeit seines Bestehens gehörte Parlosa zum Erbgericht in Güntersdorf, besaß aber mindestens schon seit dem 17. Jahrhundert eigene Dorfrichter. Von 1849 bis zur Gemeindeverselbständigung im Jahr 1892 war die Ortschaft nach Hoch-Dobern eingemeindet, dürfte aber einen eigenen Ortsvorsteher gehabt haben.

Parlosa wurde, nach der gedrängten und exponierten Lage auf der Hochfläche, voraussichtlich erst in der Spätzeit des mittelalterlichen deutsches Landausbaus zwischen 1350 und 1420 gegründet. Der Ortsname Parlosa ist allem Anschein nach auf einen altslawischen Geländenamen „brloh” (= Wildlager oder Hütte) zurückzuführen, der sicher schon im 11. oder 12. Jahrhundert entstanden war. Die dann von deutschen Bauern angelegte Siedlung lag offenbar im Bereich dieses Geländes und wurde von der Grundherrschaft nach diesem ehemaligen Wildlager benannt. Die ältesten bekannten urkundlichen Nennungen von Parlosa enthält die Landtafel, wo 1543 (für das Jahr 1515) die tschechische Form „w Barlozey” („in Parlosa”) auftaucht. In der Steuerrolle von 1654 sind zehn Häuser verzeichnet. Die Familiennamen der drei Bauern waren Ahne, Paudler und Schimmel, die Gärtner hießen Bendel, Lösel und Michel. Der Name Knechtel taucht 1669 erstmals auf. 1713 gab es 15 Häuser und 1787 hatte „Barlosa” 22 Hausnummern. 1833 wurden 37 Häuser mit 232 Einwohnern gezählt. Den höchsten Bevölkerungsstand erreichte Parlosa 1850 mit 243 deutschen Einwohnern. Bei den Volkszählungen von 1869 und 1890 lebten 213 bzw. 176 Bewohner im Ort. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Michel, Ahne, Lösel, Lorenz, Knechtel und Schmidt.

Schäferei Rilkenberg
Der ehemals zwischen dem Dorf Parlosa und dem Rilkenberg gelegene herrschaftliche Wirtschaftshof ist seit 1580 häufig benannt. Vermutlich stammt der Ortsname von einem Personennamen „Rilk(e)” ab, der eine Rufform von Rüdiger und Rudolf darstellt. Seit dem 17. Jahrhundert wurde eine Schäferei betrieben, die 1691 rund 700 Tiere und 1784 insgesamt 825 Tiere hatte. Ab 1784 wurde der Hof „Rilgenberg” verpachtet und auch die Schafe den Bauern von 14 umliegenden Dörfern pachtweise überlassen. Ab 1802 wurde das Meierhofgebäude langsam zur Ruine und die Reste wurden 1870 abgetragen, wobei ein Teil des Materials beim Bau der Bahnlinie von Bensen nach Böhmisch Kamnitz verwendet wurde. Der Standort der Gebäude ist heute bewaldet.

Der tschechische Ort Brložec (= Parlosa) ist heute Bestandteil der politischen Gemeinde Dobrná (= Hoch-Dobern). 1961 lebten 60 Menschen in Brložec. Am 28.08.2006 hatte die gesamte Gemeinde Dobrná 445 Einwohner.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Voitsdorf

Die Gemeinde Voitsdorf im Gerichtsbezirk Bensen bestand ausschließlich aus der Ortschaft Voitsdorf. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 559 ha. Die Gemeinde des Straßendorfes Voitsdorf liegt im oberen Teil der Talmulde des Erlenbaches, der das Dorf von Südwest nach Nordost durchfließt. Der Talgrund wird von mehreren Bergrücken begrenzt. Die landwirtschaftliche Nutzung nahm fast 80 % der Gemeindefläche ein, auf Wald entfielen etwa 14 %. Voitsdorf hatte bis 1945 den Charakter eines Bauerndorfes weitgehend bewahrt. Rund 33 % der Bevölkerung hatte in der Land- und Forstwirtschaft ihre Existenz, der Anteil an Industrie und Handwerk betrug 42 %. Viele Arbeiter hatten ihre Arbeitsplätze in der Textilindustrie von Bensen sowie in den Unternehmen von Tetschen-Bodenbach, Neschwitz und Politz. 10 % der Bewohner des Ortes fanden ihr Auskommen im Bereich Handel und Verkehr.

Voitsdorf gehörte seit seiner Gründung wahrscheinlich zur Pfarrei Bensen, kam dann im 14. Jahrhundert im Zuge der Umgliederung des Ortes zum Gute Tichlowitz an die Pfarrei Reichen und nach der Rückgliederung um 1525 wieder zur Pfarrei Mariä Geburt in Bensen. Im Dorf bestand ein Ortsgericht. Das erste Grundbuch von Voitsdorf beginnt 1607. Die Gemeinderechnungen sind seit 1670 erhalten.

Voitsdorf gehört zweifellos zu den ersten deutschen Rodungssiedlungen, die im Raum südlich von Bensen Anfang des 13. Jahrhunderts als Waldhufendörfer angelegt wurden. Anfangs existierte keine eigene Siedlung Voitsdorf, sondern es wurde eine die ganze Talmulde des Erlenbaches ausfüllende Siedlung angelegt, die den Namen „Hermannsdorf” trug. In der Steuerrolle von 1654 wurden neben 19 Bauern auch ein Gärtner und elf Häusler von Voitsdorf erfasst. Der Ort wies somit 31 Häuser auf. Die Familiennamen der Bauern lauteten Riedel, Zaschke, Schwarz, Reichert, Renner, Dörre, Hekel, Eichl, Hieke, Fieber, Jene, Hortig, Weigl und Dinnebier. 1713 gab es 18 Wirte und 25 Häusler - also insgesamt 43 Häuser, in denen 261 Menschen lebten. 1787 standen 76 Häuser und 1833 wurden 102 Häuser mit 592 Einwohnern verzeichnet. In den Volkszählungen von 1869 und 1890 wurden 729 bzw. 690 deutsche Einwohner festgestellt.

Der Name Voitsdorf entstand während der 100-jährigen Zugehörigkeit zu Tichlowitz, als in der Ortschaft ein Vogt (Voigt) die Verwaltung ausübte. Die älteste bekannte Nennung von Voitsdorf erfolgte 1429 als „Foythssdorff”.

Der mit Abstand häufigste Familienname in Voitsdorf war 1934 Riedel, der 28 Mal vorkam. Ihm folgten Böhm, Heller, Zaschke, Hanke, Fiedler, Weigel, Kusebauch, Schneider, Klingohr, Zirnstein, Beitlich, Hoche, Hocke, Horn, John, Püschl und Richter.

Die heutige Ortschaft Fojtovice (= Voitsdorf) bildet zusammen mit den Ortschaften Hermanov (= Hermersdorf) und Blankartice (= Blankersdorf) die politische Gemeinde Hermanov. 1961 lebten 165 Einwohner in Fojtovice. Am 28.08.2006 umfasste die gesamte Gemeinde Hermanov 499 Bewohner.

[ Zurück nach oben ]           [ Heimatorte ]           [ Ortsverzeichnis ]

Aktuelle Seite: Home Bensen